Marg bar jomhuriye eslami!

Nieder mit der islamischen Republik!

“The slogan “Death to the dictator” showed that this was not just an opposition to the election fraud, but effective opposition to the fascist regime called the Islamic republic…also that participation in the elections also was in opposition to the totality of the regime…”

… everyone knew that the hope of change and reform of the regime is not the reformist wing, and that there is only one price for bread and freedom: Revolution.”
(Aus der Untergrundzeitung “Khiaban” Issue #4, die unter den iranischen
Demonstranten herumgereicht wurde: http://irangcc.wordpress.com/2009/06/22/from-reform-to-revolution/)

Während in Deutschland das Stimmvieh sich den organisierten Viehtreibern und ihren ideologischen Schafshirten an den Hals wirft, sich als traute Herdengemeinschaft des deutschen Volkes einig weiß und diese Einigkeit auch lautstark und medienwirksam in der Identifizierung ihrer Seinsform mit dem entsprechenden Stall in Szene setzt: „Wir sind Quelle!“, „Wir sind Schäffler!“ usw., ist im Iran die Sau los. Aber was schert es schon eine/n deutsche/n Arbeitermann oder -frau, wenn im Iran Menschen auf die Straße gehen, um ihre Schweinepriester samt dem dazugehörigen Gottesstaat zum Teufel zu jagen, wo es doch im hiesigen Wahlkampf allein um die Frage der Konsolidierung des Etats für den nationalen Futtertrogsozialismus geht, wer was und wie viel abschnappen kann, welche Sau stellvertretend für undeutsches, sprich unmoralisches Verhalten durchs Dorf zu treiben sei und wie man sich vor der Schweinegrippe schützen kann: Deutschland im Superwahljahr.

Die Folgen der Wahlen im Iran vom 12. Juni wiesen auf einen anderen, hoffnungsvolleren und System sprengenden Ausgang hin. Auf den Straßen Teherans und anderen großen Städten des Landes werden inzwischen das gesamte Regime und ihr „schein-“ demokratischer Firlefanz in Frage gestellt. Es gehen in spontaner und unorganisierter Form Individuen auf die Straße, um gegen die Repräsentanten des verklärten innerweltlichen Unglücks zu demonstrieren, die jedes individuelle Bedürfnis nach diesseitigen Freuden durch ein totales Netz von Tugendwächtern und Terror seit 30 Jahren, seit die islamische Revolution währt, unterdrückt hatten. Ein Großteil der Menschen im Iran hat die Schnauze voll von dieser klerikal-faschistischen Diktatur. Denn schon kurz nach den ersten Protesten gegen die offensichtlich gefälschte Wiederwahl des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinejad zur zweiten Amtsperiode wurde klar, dass es den Millionen Demonstranten um deutlich mehr ging, als nur um eine Annullierung des Wahlergebnisses oder um eine Unterstützung des unterlegenen Kandidaten Mir Hossein Mussawi. Auch wenn nur schwer auszumachen ist, wie groß der Anteil der Protestierenden wirklich ist, die sich in Radikalopposition zur Mullah-Diktatur stellen; fest steht, dass die anfänglich reformorientierte Bewegung schnell eine eigene Dynamik annahm und sich – wider allen Verlautbarungen der Reformer Mussawi und Rafsandschani, welche die Protestbewegung für ihre Zwecke vereinnahmen wollten – zu einer revolutionären Bewegung radikalisierte. Der hohe Einsatz der Demonstranten, die ihr Leben aufs Spiel setzen und nichts zu verlieren haben als ihre Unfreiheit, bezeugt, dass die Revolte weitaus tiefgreifendere Veränderungen fordert, als einen neuen Präsidenten, mit dem sie statt der Pest die Cholera wählen würden. Es kann der iranischen Opposition um nichts anderes gehen, als um einen regime change, um den Sturz der Mullah-Diktatur. Dementsprechend absurd nehmen sich Solidaritätsappelle etwa Angela Merkels aus, die vehement für eine „Neuauszählung“ der Stimmen eintritt. Diese Erkenntnis entging auch der Protestbewegung nicht, weshalb sie nicht mehr länger in systemimmanenten Scheinoppositionen sich positionierte, sondern aufs Ganze ging: die blutige Niederschlagung des Protests war die Folge. Die Mullahs haben über den Iran den offenen Ausnahmezustand verhängt. Einer der führenden konservativen Kleriker Ajatollah Ahmad Chatami bezeichnet die Kritik am Regime als Gotteslästerung und hat dazu aufgerufen, gegen die Demonstranten vorzugehen und die Todesstrafe ohne jede Gnade zu vollstrecken. Diese wird direkt von den Pasdaran (Armee der Wächter der Islamischen Revolution) und der paramilitärischen Miliz der Basiji mit Unterstützung der Hamas und der südlibanesischen Hisbollah auf der Straße vollstreckt.

Die Protestnoten der internationalen Staatengemeinschaft und besonders Deutschlands gegen das Gemetzel und den verschärften Terror im Iran nehmen sich deswegen so bescheiden aus, weil diese sich schon vorher mit dem permanenten Terror des Gottesstaates nach innen und der nuklearen Bedrohung Israels gütlich zu arrangieren gewusst haben. Die barbarische Gewalt mit der die Demonstranten jetzt konfrontiert wurden, ist nicht, was schlimm genug wäre, auf den Iran selbst beschränkt. 1994 verübte die von den Mullahs für den Krieg gegen Israel gegründete und ausgerüstete Hisbollah im Auftrag der iranischen Führung (unter dem Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani!) einen Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires, bei dem 85 Menschen ermordet wurden. Ebenfalls für den Krieg gegen Israel und die Juden wird seit Jahren die Hamas unterstützt, die zahlreiche blutige Anschläge gegen Israelis ebenso zu verantworten hat, wie die Verfolgung und Ermordung zahlreicher Menschen im Gazastreifen. Beide Gruppen wurden nun auch zur Niederschlagung des Aufstandes im Iran eingesetzt. Diese Gewalt muss aufhören, nicht nur im Interesse der Iraner oder der Israelis, sondern aller vernünftigen Menschen. Sie wird aber nur aufhören, wenn sie gestürzt wird. Sie zu stürzen wäre ein kleiner, aber ein wichtiger Schritt zu einer Gesellschaft, in der keine Gewalt mehr wäre, in der die Herrschaft von Menschen über Menschen endlich aufhören würde.

Dem Sturz der Mullahs und ihrer endgültigen Beseitigung durch die Revolutionsbewegung gilt unsere ganze Hoffnung, den kämpfenden Genossen und Genossinnen unsere Solidarität.

Die Reserven zur Verhinderung des
allgemeinen Chaos

Was kann die US-Politik dem europäischen
Appeasement entgegensetzen?

Vortrag von Gerhard Scheit

Es scheint sich um ein geradezu gesetzmäßiges Schwanken der US-Politik zu handeln: Auf den Republikaner Theodor Roosevelt folgt der Demokrat Woodrow Wilson, nach Bush jr. zieht Obama ins Weiße Haus ein. Jener macht sich, was die Frage der Souveränität betrifft, wenig Illusionen und tut jederzeit kund, daß eine kraftlose, nicht durch Macht abgesicherte Rechtlichkeit („a milk-and-water righteousness“) ebenso verdammenswert oder noch verdammenswerter sei als Macht ohne Recht; und ist sofort bereit, in den Krieg zu ziehen, wenn ein Weltkrieg droht; dieser aber verklärt den nötigen Waffengang, der den Einflußbereich und die Handelsmacht der USA sichert, zum letzten Krieg, der den ewigen Frieden bringe: „war to end all wars“. Der Nachfolger ideologisiert die pragmatischen Entscheidungen des Vorgängers – und läuft Gefahr, die Grundlage dieser Pragmatik: den aufgeklärten Begriff westlicher Souveränität, preiszugeben.

Tatsächlich treten die USA immer in den Krieg ein, um unter Beweis zu stellen, nicht einfach alle Kriege, sondern jeden Weltkrieg zu beenden, das heißt jede
von Katastrophenpolitik entfesselte, alle Grenzen überschreitende, kriegerische Auseinandersetzung. „Die amerikanische Auffassung vom gerechten Krieg“, so Hannah Arendt, „ist wesentlich – nicht ‚a war to end all wars’ oder ‚a war to make the world safe for democracy’ – von der Kriminalisierung des Angriffskriegs als Angriff, als Friedens- und Vertragsbruch bestimmt, wobei nach angelsächsischer Auffassung der Vertragsbruch schwerer wiegt als der Friedensbruch.“ Der Frieden werde nach dieser Auffassung nicht „ideologisiert“, also „von der Realität gelöst“, es bedarf hingegen stets „einer klaren Gefahr und Bedrohung, um die Welt zu pazifizieren“.

Am Ende eines solchen Kriegs steht eine, von der US-Politik inspirierte oder ins Leben gerufene internationale Organisation, die als adäquate Antwort auf
die Katastrophenpolitik gedacht ist – und dazu tendiert, den Frieden zu ideologisieren. Die Siegermächte simulieren einen Weltsouverän, hervorgegangen aus dem Weltkrieg. Statt „balance of power“ müsse es nunmehr „a community of power“ geben, „not organized rivalries, but an organized common peace“, sagte Wilson 1917. Und je mehr die Macht der Sieger schwindet, desto mehr geben die Erfolge und Mißerfolge dieser Organisationen zu erkennen, daß ein solcher Überstaat „to end all wars“ nicht wirklich existiert, sondern nur ein Gleichgewicht des Schreckens, das aber durchaus dauerhafte, organisatorische Form anzunehmen vermag und als regulatives Prinzip auf Zeit fungieren kann. (…)

Samstag – 13. Juni 09 – 19.00 Uhr
DIA – Amerika Haus Nürnberg – Gleisbühlstr. 9
Eintritt 3,-/ 5,- Euro

Inhalt

  • Im vergangenen März jährte sich das Nato-Bombardement auf Belgrad zum 10. Mal. David Parnass zieht ein Resümee der damaligen Intifada auf dem Amselfeld auf Seite 1.
  • Warum die Linke nicht radikal und der GegenStandpunkt nicht ideologiekritisch ist, erklärt Leo Elser ab der Seite 6 in seiner Kritik der linken Langeweile.

Die Nürnberger nennen es zärtlich Burka-Plakat; außer der CSU fand bislang niemand Anstoß daran. Das soll sich mit den folgenden beiden Artikeln ändern:

  • David Parnass kritisiert ab Seite 11 das, was Postmoderne wohl „Diskurs“ nennen würden: Das typisch-deutsche Geschwätz in der Stadt der Reichsmenschenrechte.
  • Sind Burka und Kopftücher nur ein Stückchen Stoff? Wohl eher der Stoff aus dem die Alpträume sind. Rudi Landmanns Ideologiekritik des Schleiers und seiner islamischen wie poststrukturalistischen Apologeten ab Seite 14.


Pólemos # 01 Download als PDF

Der Stoff aus dem die Alpträume sind

Das „Burka-Plakat“ als Ausdruck repressiver Toleranz

Vortrag und Diskussion von und mit Tobias Ertl (AG Kritische Theorie) und Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), Moderation: Norbert Zlöbl (Pólemos)

Heftig und kurz war die Aufregung über eine Plakataktion dieser Stadt zu Beginn des Jahres, mit der Menschen aus aller Welt in Nürnberg willkommen geheißen werden sollten. Das sogenannte „Burka-Plakat“ sorgte für Aufregung bis in die Bundeshauptstadt Berlin. Heftig war die Empörung der autochthonen Bevölkerung Nürnbergs nicht darüber, was dieses Plakat zeigt und damit affirmiert: eine vollverschleierte Frau im Hidschab, welche die Mitte eines ethno-kitsch Ensembles in der Illustration einnahm, sondern über die zwar spärliche aber, doch vehemente Kritik an dieser Karikatur von Menschen, welche das Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument der Verschleierung auch offen als das benannten was es eben ist: menschenverachtend. Kritik an dieser Kampange stieß auf Seiten der Fans des Plakates und der notorischen Aktiv-Bürger auf Verwunderung und völliges Unverständnis. Die Nürnberger wollten sich ihre „guten Absichten“ nicht madig machen lassen. Trotzig bis pampig bestand der „Nürnberger an sich“ auf seine „Weltoffenheit und Toleranz“ – auch gegenüber den Praktiken der Islamfaschisten. Man wollte – infantil und frühvergreist – an der Auffassung festhalten, dass nicht das konkrete Individuum wichtig ist, sondern die vielen Kulturen, die es zu schützen gälte, egal was den Individuen in diesen Kulturen widerfährt. Kurz war die Aufregung wiederum, weil nach mehreren ungefragten und unkonventionellen Volksabstimmungsaktionen für das Burka-Plakat der OB Maly das letzte Machtwort sprach: Das Plakat soll bis zum Sommer hängen bleiben.
Auch wenn das Plakat inzwischen kaum noch in den städtischen Schaukästen hängt, ist dieses Thema für uns noch nicht gegessen. Zu offenbar wurde darin zum Ausdruck gebracht, was von Nürnbergern in Sachen kritisches Bewusstsein und politisches Urteilsvermögen zu erwarten ist. Zu kritisieren wäre eine solche Plakatkampagne nicht als unerhörte Entgleisung, als politischer Skandal, der ebenso politisch zu korrigieren sei, sondern als konsequenter Ausdruck eines deutschen Selbstverständnisses, das – von ganz links bis ganz rechts – statt Menschen nur noch Kulturen und Völker sieht und dem der Islam als Erlöser für die ureigensten Sehnsüchte gilt, als das Idealbild einer Gemeinschaft, die man für sich selbst gerne verwirklicht sähe.

Zu dem Vortrag und zur anschließenden Diskussion sind Sie herzlich eingeladen.

Donnerstag, 07.Mai 2009

19.30 Uhr, DGB-Haus, 7.Stock,

Raum “Burgblick”, Kornmarkt 5-7, Nürnberg
Eintritt frei

Nachtrag: Folgender Kommentar hat uns erreicht, allerdings ist der Moderator dieser Seite aus technischen Gründen verhindert und der Ersatz-Moderator unfähig. Da er uns veröffentlichungswürdig erscheint,  steht er jetzt hier:

Liebe Verantwortlichen von Blog kritischetheorie,

zur Veranstaltung am 7. Mai im DGB-Haus
betreffend das Burka-Plakat der Stadt Nürnberg
hier ein Text mit Hintergrundinformation, der
einen Durchklick zur Unterschriftenaktion
gegen das genannte Burkaplakat
enthält.
http://burkaplakat.wordpress.com/

Drogen und Gesundheit

Healthy Body – Sick Mind

Über Drogenpolitik und Gesundheitswahn

Vortrag von Lars Quadfasel

Während der Gebrauch von berauschenden Genussmitteln in zunehmendem Maße verboten oder eingeschränkt wird, boomt der Markt an Medikamenten, die die beschädigten Subjekte wieder leistungsfähig machen sollen. Die Buchläden sind überfüllt mit Gesundheitsratgebern, die Straßen mit Joggern. Fettfreier Yoghurt und Ampelfarben auf Ernährungsprodukten sorgen dafür, dass die bewusstlosen Subjekte sich auch bewusst ernähren. Mit der Renaissance des gesunden Lebens einhergehender Vitalismus und Körperkult sind nur die Spiegelseite der Körperverachtung und Lustfeindschaft. Die Krankheit der Gesunden spiegelt die Gesundheit der Kranken: Je stärker das Leiden, desto lauter schreit das Subjekt nach Gesundheit, je größer die Zurichtung des Körpers, desto stolzer ist man auf seine billig erkaufte “Fitness”. Der Gesundheitsbegriff jedoch abstrahiert von allem Leiblichen, d.h. vom Leiden, und diesem leeren Abstraktionsideal hat schließlich der konkrete Körper sich anzugleichen. Der “Haßliebe gegen den Körper” (Adorno) entspringen zwei Klischees, die sich selbst bedingen: auf der einen Seite sanktionierter Genuss ohne Reue, mit wenig Kalorien und “healthy sex”, verbildlicht im “Genießertyp” der Vorabendserie; auf der anderen Seite das krankhaft süchtige Drogenopfer, vom Fernsehen als zoologisches Objekt zur Schau und Bejammerung gestellt. Über ersteres wusste schon Adorno zu sagen, dass verordnete Lust keine mehr sei. Das zweite Klischee, das vom Junkie, ist der Gesellschaft Fläche für pathische Projektionen der eigenen verbotene Lüste. Was das Subjekt als Wunsch vielleicht verspürt, an sich selbst aber verachten muss, den Drang, das Begehren, die Lust, projiziert es als Verkehrtes auf den Drogensüchtigen, dem gar nichts andres bleibt, als Opfer zu sein. Die Horrorbilder in den Medien tragen dazu bei, den Drogen und ihren Anhängseln, den Menschen, die sie nehmen, die ihnen gebührende Verachtung entgegenzubringen. Nach einem Wort Nietzsches ist unbewusster Neid im scheelen Blick ihrer Verachtung. Sie verspüren den Wunsch nach einem Hauch Freiheit, den sie in der romantisierenden Darstellung der Droge – die wiederum nur Kehrseite der schmähenden – verwirklicht sehen. Wie die Integration des Sexus in den Kulturbetrieb dazu führt, dass je freizügiger die Darstellung in Film und Fernsehen, desto weniger in den wirklichen Schlafzimmern los ist, bleibt der Rausch bei den Depps und Travoltas, und der Abspann holt einen rasch zurück ins “wahre” Leben, in dem schon der nächste Arbeitstag darauf wartet, einem noch den letzten Funken Lust auszutreiben. Ein kleiner Erkenntnisgewinn würde sich also bereits einstellen, tauschte man in der gegenwärtigen Diskussion einmal das Wörtchen “Droge” durch das Wörtchen “Arbeit” aus:

Arbeit ist ungesund, macht dumm, zerstört den Körper und kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.

Freitag, 10.April 2009 – 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KUNO) Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg
Eintritt: 5,– / 3,– €

Die Inszenierung eines Interventionsanlasses

Über die Völkerschlacht im früheren Jugoslawien
und die deutsche Regie auf dem Kriegsschauplatz

Vortrag von Thomas Becker
Als am 24. März 1999 Piloten der Bundeswehr an der Seite eines Nato-Geschwaders über Belgrad erschienen, welches ihre ersten Bombenladungen auf die Stadt warf und damit eine Luftschlacht einleiteten, die 78 Tage andauern sollte, bis sie Serbien schließlich zur Kapitulation zwang, hatte die UCK den Krieg schon gewonnen. Die sogenannte Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner hatte, wie die kroatischen und muslimischen Volkskrieger vor ihr, den Aufstand gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, nur gewagt, weil sie die berechtigte Hoffnung hegte, dass ihr die überlegene Militärmacht des Westens zur Hilfe eilen würde, sobald der Krieg einmal in Gang gekommen war. Die Strategie hatte sich in Bosnien bewährt. Um die gewünschte Nato-Intervention heraufzubeschwören, musste man nur – z.B. durch terroristische Aktionen – die Staatsorgane zu unverhältnismäßigen Gegenmaßnahmen provozieren und so lange durchhalten, bis in den internationalen Medien der Anschein eines außer Kontrolle geratenen Bürgerkriegs entstand. Opfer unter der Zivilbevölkerung und Fluchtbewegungen stellen sich dann normalerweise ganz von selbst ein, so dass Massaker und Gräueltaten nicht in jedem Fall inszeniert oder frei erfunden werden müssen. Die UCK brauchte nur wenige Anläufe, zuerst im Frühjahr, dann im Sommer 1998, um schon nach einem Jahr jene humanitäre Katastrophe herzustellen, welche zum Anlass der Nato-Intervention wurde. In Bosnien, wo man sich noch nicht auf einen Präzedenzfall beziehen konnte, der dort erst geschaffen wurde, brauchte es dafür mehr Zeit und Opfer. Das deutsche Volk, das seine Selbstbestimmung am 9. November 1989 errungen hatte, war zunächst das einzige Vorbild und Deutschland der einzige westliche Verbündete. Der Volksaufstand in Kroatien und Bosnien konnte sich damals lediglich auf das Versprechen des deutschen Außenministers stützen, dass den Völkern Jugoslawiens nicht verwehrt werden könne, was den Deutschen gerade geschenkt ward, und dass mit jedem Schuss der Ausbruch aus dem „sozialistischen Völkergefängnis“ näher rücke.

Thomas Becker lebt als freier Autor in Bielefeld und schreibt u. a. für die Zeitschrift „Bahamas“

Donnerstag, 26.März 2009 – 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KUNO) Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg
Eintritt: 5,– / 3,– €

Freiburg/Nürnberg, den 24. November 2008

Presseerklärung des ça ira-Verlags und der AG Kritische Theorie zum Ausschluß aus der Linken Literaturmesse Nürnberg am 16. 11. 2008

Oder:

Die Herrschaft der Kolportage


Ein neo-stalinistischer Putsch gegen die linke Gegenöffentlichkeit


Seit vielen Jahren nimmt der ça ira-Verlag an der seit 1996 in Nürnberg stattfindenden Linken Literaturmesse teil, die vom Metroproletan-Archiv und dem Gostenhofener Literatur- und Kulturverein Libresso im „K4“ ausgerichtet wird, in diesem November unter dem Motto „Alternativ zum kapitalistischen Mainstream“. In einer recht gut besuchten Diskussionsveranstaltung präsentierte Fabian Kettner den Sammelband „Theorie als Kritik“, den er mit Paul Mentz (beide Rote Ruhr-Uni, Bochum) herausgegeben hat; im letzten Jahr stellten Joachim Bruhn und Jan Gerber das Buch „Rote Armee Fiktion“ vor.

Bis 2007 wurde der ça ira-Verlag von der Mehrheit der ca. fünfzig Aussteller zwar nicht gerade heiß und innig geliebt, aber zumindest geduldet – und mehr war wohl auch nie zu erwarten, vertritt doch unser Verlagsprogramm mit Autoren wie Johannes Agnoli, Hans-Georg Backhaus und Moishe Postone eine subversive Kritik in der Tradition der Kritischen Theorie Frankfurter Machart, d.h. den Versuch der Synthese einer avantgardistischen Marx-Lektüre jenseits von Sozialdemokratie und Stalinismus mit polemischer Sozialkritik und Aufklärung über den Antisemitismus, auch und gerade in seiner Spielart des Antizionismus von Links. Dafür interessierte sich zwar ein (für unsere kleinen Verhältnisse) ansehnlicher Teil des Publikums, nicht aber die Mehrheit der Aussteller und der Organisatoren.

Das verwundert nicht: denn „alternativ zum kapitalistischen Mainstream“, das bedeutete in Nürnberg immer schon, ein Gruselkabinett der neo-stalinistischen Antike auszustellen. Das Beste an der Linken Literaturmesse waren stets die Antiquariate. Der Rest: all die Maoisten, linksverwirrten Sozialdemokraten, Operaisten, Ernst Thälmann-, Walter Ulbricht- und Josef W. Stalin-Trauervereine, dazu die Enver Hodscha-Anhänger, die Befreiungsnationalisten aller Fraktionen, all die leidenschaftlichen AgitProp-Vereine gegen Heuschreckenplagen, für Tierschutz und jedenfalls und immer vorwärts (oder: rückwärts) gegen Israel – dazwischen, als Platzhalter revolutionärer Restvernunft, einige wenige traurige Anarchisten und die Marxisten-Sophisten der Gruppe Gegenstandpunkt, dazu Graswurzel-Revolutionäre, DKP-Funktionäre, ein paar Trotzkisten, und nicht zu vergessen die Kollegen von der Internationalen Kommunistischen Strömung, bei denen man die Schriften des KPI-Mitbegründers Amadeo Bordiga erwerben kann, insbesondere dessen Traktat „Auschwitz oder das große Alibi der Bourgeoisie“, einen Grundlagentext der Holocaust-Leugnung von links. Diesem Gruselkabinett präsidiert, gewissermaßen als ihre ideelle Gesamt-Journaille, die Berliner Tageszeitung „Junge Welt“.

Das war und ist die Linke Literaturmesse. Und es war schön und gut so, wie es war. Denn in Nürnberg konnte man im Recycling-Hof der Linksgeschichte stöbern und einmal im Jahr einen Blick werfen in einen Abgrund der Gegenaufklärung, der seinesgleichen sucht.
Dann schlug das Betriebsklima um. Denn wenn es zwei Programmpunkte gibt, an denen sich die bestimmte Einheit dieser grausigen Vielfalt ergibt, dann sind das erstens der Haß auf Israel und den Zionismus, zweitens die – natürlich: kritisch-solidarische – Apologie der Roten Arme Fraktion. Wer das aus Gründen nicht mitmachen mag, wurde schon immer als „Antideutscher“, d.h. als Volksfeind, geächtet und denunziert. ça ira war unter diesen Krähen, die einander kein Auge aushacken, der Paradiesvogel – anders gesagt: der Hofnarr. Uns war es recht, und der Umsatz war gut, eine Art Weihnachtsgeld und 13. Monatsgehalt für 1 €-Verleger.

Unser Buch jedoch über die „Rote Armee Fiktion“ war der berühmte Tropfen, der die linke Gegenöffentlichkeit zum Überlaufen brachte. Schon im letzten Jahr befand die „Junge Welt“ in ihrer Ausgabe vom 17.12.2007, das Buch bringe nichts als „antideutsches RAF-Bashing“ und sprenge damit den „Rahmen des linken Pluralismus und der Streitkultur“ – obwohl Mitherausgeber Jan Gerber in seinem Beitrag „Schalom und Napalm. Die Stadtguerilla als Avantgarde des Antizionismus“ lediglich akribisch nachgewiesen hatte, wie sich das bewaffnete Linksdeutschland zum guten Gewissen beim Judenhaß verholfen hatte; unsere Gegendarstellung in Form eines Leserbriefs wurde links liegen gelassen, seitdem forderte das nationalbolschewistische Lager unter der Leitung der „Jungen Welt“ unseren Ausschluß und stellte absurde Ultimaten.

Mit unserem Ausschluß aus der Linken Literaturmesse, den die „Junge Welt“ vom 17.11.2008 vermeldete, erreicht diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Dieser Artikel von Peter Wolter – „Rote Karte für ça ira. Mit dem Ausschluß eines antideutschen Verlags endete die 13. Linke Literaturmesse“ – ist, wie der letztjährige von Claudia Wangerin, ein Meisterwerk aus Prawda und Kolportage:

„Mit einem klaren Beschluß der Mehrheit aller Aussteller endete am Sonntag die 13. Linke Literaturmesse in Nürnberg: Der Verlag »ça ira« wird künftig ausgeschlossen. Die anderen Verlage wollen es sich und ihrem Publikum nicht länger zumuten, daß auf dem Messestand von »ça ira« die »antideutsche« Zeitschrift Bahamas ausliegt. Sie empfinden es auch als unverfroren, wie leichtfertig anderen Linken in Veranstaltungen und Publikationen dieses Verlages Antisemitismus vorgeworfen wird. Die Aussage, die RAF sei »der verlängerte Arm der SS« gewesen, sei nach einhelliger Meinung der Höhepunkt der Geschichtsklitterung gewesen. Im Vorfeld der Messe war »ça ira« darüber hinaus unverhohlene Sympathie für einen Krieg gegen den Iran vorgeworfen worden.“

Dazu stellen wir fest:

  1. Von einem „klaren Beschluß der Mehrheit aller Aussteller“ kann überhaupt gar nicht die Rede sein. Auf der Messe sind, wie die „Junge Welt“ selbst im weiteren berichtet, „etwa 50 Verlage“ vertreten gewesen – die beschlußfassende Versammlung bestand aus 15 Personen, vor denen sich unsere Genossen von der AG Kritische Theorie Nürnberg, die den ça ira-Messestand betreuten, rechtfertigen sollten, als sei’s ein Revolutionstribunal. Davon enthielten sich zwei, gegen den Ausschluß stimmten der Vertreter des anarchistischen AV-Verlags, eine weitere Person, sowie die Vertreter der AG Kritischen Theorie und des ça ira Verlages. Die „Mehrheit aller Aussteller“ bestand aus 8 Personen. Das ganze Theater war daher nur ein neo-stalinistischer Putsch gegen die Idee einer linken Gegenöffentlichkeit unter der Ägide der „Jungen Welt“. Man wird sehen, was die „Mehrheit aller Aussteller“ von derlei Intrigantenstadl halten wird.
  2. Der Satz, die RAF sei „der verlängerte Arm der SS“ gewesen, der Joachim Bruhn und Jan Gerber unterstellt wird, ist die freie Erfindung der „Jungen Welt“, die wir hiermit zur Berichtigung auffordern.
    Denn dieser Satz findet sich weder in dem Buch „Rote Armee Fiktion“, noch wurde er vor einem Jahr bei der 12. Literaturmesse geäußert. Der komplette Mitschnitt dieser Veranstaltung vom 15.12.2007 steht zum Download auf der ça ira-WebSite unter http://www.ca-ira.net/res/lili-07.mp3 zur Verfügung.
    Der tatsächliche Sachverhalt – worin zugleich der Grund für die Fälschung durch die „Junge Welt“ liegt – ist vielmehr dieser: Es wurde im Zusammenhang der Entwicklung Horst Mahlers vom Mitbegründer der RAF zum Neo-Faschisten nach dem Stellenwert von Antizionismus und Antisemitismus, von Judenhaß und sog. ‚legitimer Israelkritik’ gefragt und gezeigt, daß hierin die fatale deutsche Kontinuität liegt. Es wurde sodann aus einem Traktat Mahlers zur damals tosenden Debatte um Christian Klars Freilassung zitiert. Darin heißt es:

    „Nach dem Ende der Studentenbewegung [standen] zwei Nachfolgeorganisationen an[...]: ein Theorie-SDS und ein Waffen-SDS..“
    (20. 4. 2007 (!) xxx.deutsches-kolleg.org/erklaerungen/raf.html „Soll die RAF die BRD-Terroristen begnadigen?“)

    Hier haben die Kolporteure offenkundig „Waffen-SS“ statt „Waffen-SDS“ verstanden und sodann den Herausgebern der „Rote Arme Fiktion“ unterschoben. Es ist dies ihre Projektion, die allerdings so grundlos nicht ist, denn Mahler fährt fort:

    „Während in den Formationen des Theorie-SDS die Denkungsart der mitteldeutschen Revolutionäre und damit die gesamtdeutsche Perspektive bestimmend blieb, verengte sich die Sicht im Waffen-SDS, der dann als RAF bekannt geworden ist. Bestimmt wurde diese Sichtweise von der Nazi-Kinder-Fraktion aus den gehobenen Kreisen der BRD, die an wichtigen Einflußstellen in Wirtschaft und Politik mit der westlichen Besatzungsmacht kollaborierten. Die RAF war der bewaffnete Aufstand der Kinder der westdeutschen Kollaborateure.“

    So ist, durch nichts als Projektion und Kolportage, binnen eines Jahres aus dem „antideutschen RAF-Bashing“ von 2007, die Denunziation von 2008 geworden, mit der unser Ausschluß aus der Literaturmesse begründet werden soll.

    Aus Horst Mahler hörte die „Junge Welt“ sich selbst heraus, darum mußte sie dessen steile Behauptung abspalten, verleugnen und verdrängen und den „Antideutschen“ zuschreiben. Der Antisemitismus und – in Gestalt des Antizionismus – der Haß auf Israel ist es, was Mahler, den RAF-Begründer, mit Mahler, dem Nazi, und mit der Chef-Redaktion der „Jungen Welt“ eint und verbindet.

    Abgespalten werden muß die Aussage Ulrike Meinhofs im Prozeß gegen Mahler 1972:

    „Ohne daß wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen – denn die Leute haben ja wirklich nicht gewußt, was in den KZ vor sich ging – können wir es nicht für unseren revolutionären Kampf mobilisieren.“

    Die RAF war bewaffnete Holocaust-Verharmlosung, und das Bild, das sie sich vom Antisemitismus machte, war danach, d.h. lag ganz auf der Generallinie von August Bebel bis zu Josef Stalin, ernährte sich von der nach Auschwitz endgültig irrsinnigen These, der Antisemitismus sei eine ihrer selbst unbewußte Revoltenenergie, speiste sich aus der Behauptung vom „Sozialismus der dummen Kerle“, der auf seine wundersame Erweckung und mildtätige Führung durch die Revolutionäre der „Jungen Welt“ wartet. So schon Ulrike Meinhof vor Gericht:

    „Der manipulierte Antisemitismus während des Hitler-Faschismus war seinem Wesen nach gegen die Banken, die Geldsäcke, die Raffer gerichtet, nur mit dem falschen Bewußtsein. (…) In diesem Antisemitismus, der in das Volk reinmanipuliert worden ist, war die Sehnsucht nach dem Kommunismus …“

    Die „Junge Welt“ und das Revolutionstribunal der Linken Literaturmesse wollen diesen Zusammenhang unsichtbar machen, um in ihrer Stimmungsmache gegen Israel fortfahren zu können, um immer wieder aufs Neue die Legende zu kolportieren, der Antisemitismus sei das eine, der Antizionismus das ganz, ganz andere und schon gleich die halbe Revolution. Darum sind sie immer so gereizt, wenn darauf die Rede kommt. So gerät selbst noch Jutta Ditfurth ins Visier, deren im rechtsbürgerlichen Ullstein-Verlag erschienener Kolportageschmöker „Ulrike Meinhof. Die Biographie“ ansonsten sehr goutiert und im jW-Shop zum Verkauf angeboten wird. Einmal auf den 480 Seiten ihrer Kolportage („Unter der Bettdecke flüsterte Andreas zärtlich mit Gudrun.“) kommt selbst sie nicht umhin, die Ausfälligkeiten der Meinhof gegen den „Moshe Dayan-Faschismus“ zu erwähnen – prompt handelte sie sich den Vorwurf des jW-Rezensenten ein, „leider“ fehle „in diesem Buch auch nicht das Ditfurthsche Steckenpferd – der Antisemitismus“ (Ron Augustin, Privatperson im Kollektiv, junge Welt vom 12. 12. 2007). Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: der Antisemitismus, das „Ditfurthsche Steckenpferd.“

  3. Auf die profilneurotische Bloggerszene, die sich derzeit auch bezüglich der hier verhandelten Thematik austobt, gehen wir normalerweise schon aus Prinzip nicht ein. Auf einem sog. „redblog“ äußert sich aber einer, der offensichtlich während der „peinlichen Befragung“ anwesend war, und behauptet:

    „Auf dem Plenum gab der Vertreter des Freiburger Verlages zu verstehen, daß es »gute« (Westen) und »böse« (Iran) Atombomben gäbe.“ ( http://redblog.twoday.net/20081118 )

    Mehr als einmal wurde unsererseits eingewandt, daß Atomwaffen generell ein Ausdruck irrationaler Verhältnisse seien. Das Differenzieren zwischen versch. Atommächten, wurde hier schlichtweg in ein Affimieren bestimmter Atombomben umgelogen. Da man allerdings davon ausgehen muss, daß der Verfasser seine Lüge auch noch selbst glaubt, bleibt unsererseits nur noch Ratlosigkeit gegenüber einem solchen Verlust jedes Verhältnisses zur Realität. (Was dann wiederum stellvertretend für einen Großteil der sog. Blogger stehen dürfte.)

  4. und letztens: Selbstverständlich nehmen wir für uns das „Recht“ in Anspruch, die Zeitschrift
    „Bahamas“ an unserem Messestand auszulegen und zu verkaufen.
    Wir möchten natürlich gerade den Leuten, die inhaltlich an der Bahamas und ihren Texten etwas auszusetzen haben, die Gelegenheit bieten, die Zeitschrift an unserem Strand käuflich zu erwerben, um in aller Ruhe die „inkriminierten“ Texte oder Aussagen – erst einmal – zu lesen; damit wäre schon viel gewonnen.
    „Die Kritik ist der Kopf der Leidenschaft“, schreibt Marx irgendwo, und man kann ganz sicher sein, daß kein „Bahamas“-Redakteur jemals der Ditfurth ihr „Steckenpferd“ vorwerfen wird. Daß die Kritik doch wohl oft ins Schwarze trifft, läßt sich aus der Heftigkeit der Reaktionen schließen. Jedes Hantieren mit Denunziationen und Beschimpfungen zeigt nur umso mehr die Unfähigkeit und den Unwillen, sich mit der Kritik auseinander zu setzen, welche die Bahamas regelmäßig und mit großer Sorgfalt veröffentlicht. Das sich ständig beleidigt Fühlen jener berufsmäßigen Feinde der Bahamas agiert nach dem projektiven Modus der „verfolgenden Unschuld“.
    Der Antizionismus und der Haß auf Israel, den die „junge Welt“ schürt, zeugen allerdings nicht einmal von einer „Leidenschaft des Kopfes“, sondern von den ordinären Machenschaften der Linksdeutschen.

Wir fordern daher:

  1. Berichtigung und Entschuldigung durch die Redaktion der „jungen Welt“.
  2. Rücknahme des Ausschlusses von der nächstjährigen Linken Literaturmesse durch die Veranstalter bzw. Bestätigung der Resultate des neo-stalinistischen Putsches gegen auch nur die Idee einer linken Öffentlichkeit durch die tatsächliche Mehrheit der dort vertretenen Verlage.
  3. Weihnachtsgeld bzw. 13. Monatsgehalt auch für die 1 €-Verleger von ça ira!

Nachtrag:

Hier kann ein Interview mit Joachim Bruhn (ça ira Verlag) und Norbert (AG Kritische Theorie) runtergeladen werden.

“Wenn ich verzweifelt bin, was geht‘s mich an?”
Theorie als Kritik

Vortrag von Fabian Kettner

Theorie und Praxis sind auseinander, der Faden ist gerissen. Wären sie es nicht, könnte man sich nicht das Problem ihrer “Vermittlung” stellen. Dies bedeutet für die willigen Revolutionäre im Wartestand eine schier ewige Situation, in der man nicht weiß, was man tun soll. Theorie, das sei das, was der Kopf macht, wenn er die Ungerechtigkeit des Bestehenden erkennt, anderen begreiflich macht und eine folgerichtige Utopie entwirft. Praxis, das sei das, was die Hand macht, wenn diese Ungerechtigkeit abgeschafft werden soll, indem sie eine Barrikade errichtet; ist das, was die Beine machen, wenn sie den theorieschweren Kopf und den Rest des Körpers vor der Polizei in Sicherheit bringen, wenn die Barrikade sich wieder mal als Abenteuerspielplatz für junge Erwachsene herausgestellt hat. Das Verhältnis beider zueinander könnte so schön sein: der Kopf denkt aus und leitet an, die Extremitäten führen aus. Jeder ist so seine eigene Fabrik: Ingenieursbüro und Werkbank in einem. Aber die Theorie nervt, kritisiert die Praxis, und die Praxis wirft der Theorie Faul- und Feigheit vor. Theorie wirkt als Besinnung und entschleunigt. Ihre Weigerung gegen das Werkeln an dem, was ansteht, was man vorgesetzt bekommt, sich vorsetzen läßt, hemmt Praxis; soviel ist richtig und soviel ist gut an ihr. Der Zwitter der Konstruktion “theoretische Praxis” soll das schlechte Gewissen der Theoretiker beruhigen. Die Theorie hat recht und das, was Praxis entbehrt, und ihr mangelt das, was Praxis ist; aber sie führt zu nichts, außer vielleicht dazu, damit aufzuhören, weiterhin das Falsche zu tun. Sie macht nicht glücklich, aber dazu ist sie auch nicht da.

Fabian Kettner (Köln) ist Mitherausgeber des gerade bei ça ira erschienenen Buches “Theorie als Kritik”. Er ist Mitglied des Arbeitskreises Rote Ruhr-Uni (www.rote-ruhr-uni.com) sowie des Instituts für Sozialtheorie (www.sozialtheorie.de) und promoviert über den Nicht-/Zusammenhang von Holocaust und Moderne.

Samstag, 15. November 2008, 17.00 Uhr
Glasbau, K4
Königstr. 93, Nürnberg
im Rahmen der Linken Literaturmesse

Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt
Vor dem Ausnahmezustand des Kapitals

Vortrag von Joachim Bruhn

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.
Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik,
sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die
Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus
reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die
losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die “Plusmacherei”
(Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran,
daß die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem
generalisierten Ausschluß aller durch alle gründet, der, eben in den
Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluß stiftet, d.h.: die
gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. Das ist gewiß paradox:
die unbedingte gesellschaftliche Einheit in der Form des totalisierten
Atomismus; ein Paradox jedoch, das im Geld dingliche Gewalt annimmt und
als “logisches Rätsel” (FAZ) erscheint. In der Panik wird sich die falsche
Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch
verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie
vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu
überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des
Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die Angst vor
dem Chaos schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den
autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die
ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der “Preis
des Marktes” als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben
und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn (Initiative Sozialistisches Forum, Freiburg) hat zuletzt mit Jan Gerber das Buch “Rote Armee Fiktion” herausgegeben (ça ira: 2007), demnächst erscheint von ihm “Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation” (ça ira: Winter 2008).
Weitere Texte der ISF zur Krise auf der WebSite des ça ira-verlags www.isf-freiburg.org

Montag 24.11. um 19.30 Uhr
Nachbarschaftshaus Gostenhof – Kleiner Saal
Adam-Klein-Straße 6 – 90429 Nürnber
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Dalaimann, geh du voran!
Tibet als Provinz westlicher Sinnsuche

Vortrag von Horst Pankow

Sport ist Mord lautete einer der wenigen Slogans aus der versunkenen Welt der alten „Neuen Linken“, die auch nach den postmortalen Desillusionierungsexzessen von Veteranen und Spätberufenen noch eine gewisse Geltung beanspruchen dürfen. Freilich stellt sich in der Rückschau die Bedrohlichkeit öffentlich inszenierter Leibesübungen vor allem als Gefahr an Langeweile zumindest mental zugrunde zugehen dar. Dass Angehörige der „eigenen Nation“ schneller laufen, höher springen und allerlei Kindereien besser beherrschen als „die anderen“ – was nützt das angesichts schwindender Hoffnung im Ozean kapitalistischer Konkurrenz die Strohhalme vermeintlicher Rettung vor den anderen zu erreichen oder der Aussicht mit Strohhalm und anderen gemeinsam unterzugehen. Spannend war die Olympiade in München 1972, als palästinensische Antisemiten die deutsche Idee einer eschatologischen Endlösung ins Urheberland qua praktizierten Judenmordes zurück brachten und im finalen Schießwettbewerb mit bayerischen Polizeikräften erhebliche Trefferquoten erzielten. Die Palästinenser der diesjährige Olympiade in China sollten aus China kommen – aus Tibet, dem „Dach der Welt“. Hatte doch im März eine tibetische Hamas-Bewegung den „Volksaufstand“ gewagt und konsequenterweise „Fremdstämmige“ durch Brandschatzung massakriert. Angesichts dieser Erwartungen geriet die Olympiade angesichts mangelnder tibetisch-nationaler Manifestationen zur Enttäuschung. Die von westlichen Medien unisono als „spiritueller Führer der Tibeter“ bezeichnete Person, der „XIV. Dalai Lama“ hatte sich nicht nur von den mörderischen tibetischen Märzereignissen ausdrücklich distanziert, während der Olympiade besuchte sie demonstrativ das „laizistische“ Frankreich, das kurz darauf den katholischen Papst eine Art „privilegierter Partnerschaft“ anbieten sollte. Überhaupt unterbietet der Dalai Lama in seinen öffentlich und darüber hinaus publizierten Äußerungen die verbalen Sensationen der Sinnsucher eines neuen „antitotalitären“ Zusammenhangs. Angesichts des westlichen Gegeifers gegen „Maos Horden“ und „bolschewistische Kulturvernichtung“ lesen sich seine Schriften verhältnismäßig moderat und gleichermaßen langweilig. Er hat zwei Optionen: Ein „autonomes Tibet“ innerhalb des bestehenden Chinas, inklusive der Transferzahlungen seitens der Pekinger Zentrale, oder ein „selbständiges“ unter westlicher Ägide, vor allem finanziert durch den Hauptexportartikel „Spiritualität“. Seine westlichen Anhänger – hat er überhaupt andere? – sehen in ihm eine Lichtgestalt, einen modernen Propheten. Dabei zehren sie vor allem von eigenen „spirituellen“ Leistungen, denn in den Schriften „Seiner Heiligkeit“ (offizielle Anrede nicht nur unter ausgemachten Jüngern) ist von Originalität wenig zu verspüren. Die aus diesen Schriften sprechende allgemeine Diffusität mag ein Schlüssel zum Verständnis der Attraktivität dieses „Heiligen“ sowohl bei Pazifisten wie bei Anhängern der Folter (Roland Koch u. ä.) zu sein. Immerhin ergab eine Umfrage im vergangenen Jahr, dass der Tibeter bei den Deutschen beliebter ist als der deutsche Pabst in Rom. 44% der Befragten bezeichneten den Lama als „Vorbild“, Herr Ratzinger brachte es nur aus 42%. Vor allem solche Projektionen und ihre Funktion(en) für westliche Sinnsucher sollen in der Veranstaltung thematisiert werden.

Horst Pankow lebt in Berlin und veröffentlicht Einwände gegen den Irrationalismus dieser Zeit u.a. in Konkret, Bahamas und Prodomo.

Dienstag, 4. November 2008, 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KuNo)
Wurzelbauerstr.29 Nürnberg
Eintritt 5€ Ermäßigt 3€