60 Jahre Israel - der Kampf geht weiter

Seit 60 Jahren verwirklicht sich eine Utopie von Menschen, die sich mit der Geschichte, wie sie bis dahin sich vollzogen hatte, nicht abfinden wollen. Jene Geschichte, die an ihnen und ihren Vorfahren sich immer wieder schändlich gehalten hat und ihren negativen Kulminationspunkt in der fast vollständigen Vernichtung der europäischen Juden gefunden hat: der Shoah.
Dass die Menschen der Geschichte als Objekt nicht ausgeliefert sind, dass sie darin Subjekt sein können und auch müssen, zeigt in bewundernswerter Weise die Gründung des zionistischen Staates Israel am 14.Mai 1948 und der mutige Trotz, gegenüber der feindlich gestimmten Umwelt sich zu behaupten.
Israel ist nicht (nur) die einzige Demokratie im Nahen Osten, worauf man hierzulande gerne etwas platt hinweist. Das ist nicht der Grund weswegen Israel eine besondere Stellung als Staat unter Staaten hat. Als Ungeheuer unter Ungeheuern. Sondern der Staat Israel ist, trotz aller inneren Widersprüche, das reale Versprechen auf die Würde des einzelnen Individuums, das zwar noch den Schutz der Staatsmacht bedarf aber auch schon über ihn hinausweist. Er ist der Vorschein dessen was möglich ist: Das Bemühen um ein vernünftiges Allgemeines.
Israel trotzt der Unvernünftigkeit der Verhältnisse, dem falschen Allgemeinen, deren Agenten die islamischen Djihadisten nicht weniger sind als die Uno oder die EU, allein durch seine Existenz, die es 1948 aus dem Nichts geschaffen hat: Creatio ex nihilo!
„Das künstliche Gebilde Israel“ ist genau deswegen schon der Vorschein der Emanzipation der Menschen von dem stummen Zwang der Verhältnisse, von der vermeintlichen Naturmacht, dem Mythos. In Israel ist der Zwang zum Opfer aufgehoben, weil ihm gewehrt wird. Israel widerspricht dem Opfer indem es sich zur Schutzmacht aller berufen hat, die vom Antisemitismus bedroht werden. Es ist damit Ausgang aus dem Naturzwang.

Die Freude über den 60. Geburtstag muss auch Eingedenk der ständigen Vernichtungsdrohungen sein, die Israel seit seiner Gründung begleiten.

Die aktuelle sicherheitspolitische Lage Israels ist Thema der Veranstaltung zu dem

Brigadegeneral a. D. Ephraim Lapid (Israel) in einem Vortrag referieren wird.

Die AG Kritische Theorie, in Zusammenarbeit mit der DIG Nürnberg – Mittelfranken, lädt herzlich zu diesem Vortrag ein:

Mittwoch, 21. Mai 2008 um 19:30 Uhr
im K 4, 1. Stock, Weißer Saal, Königstr. 93, Nürnberg

Eintritt Frei

Yol (Der Weg) von Yilmaz Güney
Mit einer Einführung zum Film und seiner Rezeption von Justus Wertmüller (Berlin)

Nach dem Militärputsch in der Türkei im Herbst 1980 schaffte es ein Film, das Interesse ganz Europas auf die Zustände in diesem Land zu lenken. Es war der 1982 fertiggestellte und im gleichen Jahr mit der goldenen Palme von Cannes ausgezeichnete Film Yol von Yilmaz Güney (1937 – 1984), ein Film der erstmals 1994 legal in der Türkei gezeigt werden durfte. Güney – aus politischen Gründen mehrfach in Haft und 1981 unter abenteuerlichen Bedingungen aus der Türkei geflüchtet – konzipierte den Film im Gefängnis und hat ihn später im französischen Exil aus Material zusammengestellt, das Freunde nach seinen Anweisungen teilweise klandestin in der Türkei gedreht hatten.

Yol wurde von der Linken sehr freundlich aufgenommen, jedoch mit dem Lob auch seiner Brisanz beraubt. Er wurde von der türkischen, kurdischen und europäischen linken und liberalen Öffentlichkeit in erster Linie als ein Film der Anklage gegen die Militärherrschaft gefeiert, obwohl er genau das nur zum Teil war. Die fünf Protagonisten, denen ein Hafturlaub gewährt wird und die sich in ihre im mehrheitlich kurdischen Südosten des Landes gelegenen Heimatorte aufmachen, um dort persönliche Angelegenheiten zu regeln, sind keine politischen sondern kriminelle Gefangene. Auch ihre Erlebnisse außerhalb der Gefängnismauern haben mit politischem Widerstand gegen die Militärjunta nichts zu tun, umso mehr mit jener anderen Unterdrückung, über die Freunde des Volkes gerne hinwegsehen oder als Begleiterscheinung der Armut rechtfertigen: dem ganz normalen islamischen Alltag.

Es geht um Ehebruch, Ehrenmord, Zwangsverheiratung und Frauenunterdrückung. Die Protagonisten stehen scheinbar unüberwindbaren Zwängen letztlich machtlos gegenüber und zerbrechen daran. Nicht das Gefängnis, dem sie kurzfristig entkommen sind und das sie bei einer der in der Türkei häufigen Amnestien in absehbarer Zeit als freie Männern würden verlassen können, ist ihr größtes Problem. Als das wahre Gefängnis stellt sich ihnen eine Gesellschaft dar, in der Clanstrukturen und religiös geprägte Moral jeden Versuch vereiteln, ein individuelles, in Grenzen gar sinnlich erfüllteres Leben zu entfalten.

Yilmaz Güney hat „Yol“ wie seine anderen Filme als Künstler und Revolutionär noch ganz selbstverständlich aus dem Blickwinkel des Westens gedreht. Seine Liebe zu den Menschen und der (kurdischen) Landschaft ist keine primitive Komplizenschaft mit dem Volk auf angestammtem Boden. Die Landschaft wie die Menschen erscheinen fremd und feindselig solange ein übermächtiger, durch den Islam und die Verwandtschaftsherrschaft vermittelter Naturzwang, nicht nur jede freundliche Regung erstickt, sondern die dortigen Verhältnisse als immer auswegloser erscheinen läßt.

„Yol“ ist ein kurdischer Film, der viel eindrucksvoller die notwendige und vernichtende Kritik an kurdischem Nationalismus vollzieht, als jede noch so kluge Streitschrift gegen die PKK. Yol ist die Denunziation jeden Kulturrelativismus im Namen unterdrückter Völker. Yol ist ein revolutionärer Film, weil er eine dezidiert „westliche“, sprich: universale Sehnsucht nach ein bißchen Freiheit und Glück auch für ein Land einfordert, das heute von einer islamistischen Regierung in einen noch trostloseren Zustand zurückversetzt werden soll, als Güney im Entstehungsjahr des Filmes ahnen konnte und ist schon dadurch unbedingt aktuell und sehenswert.

15. April 2008 - 20.00 Uhr - KOMMKINO Künstlerhaus K 4 - Königstr. 93 - Nürnberg - Eintritt: 5,– €

Die Macht der Mullahs
Oder: Die Verhüllung der Frau als Dreh- und Angelpunkt islamischer Herrschaft

Donnerstag 17.01.08, 20 Uhr
Kulturladen Nord (Kuno)
Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg

Die Debatten, die hierzulande über den Islam, das Kopftuch und das Kopftuchverbot für Lehrerinnen unter Schlagworten wie Religionsfreiheit, Säkularismus oder Neutralitätspflicht des Staates geführt werden, sich gar in Gesetzen niederschlagen, machen glauben, beim Islam handle es sich um eine Religion, beim Kopftuch mithin um ein religiöses Symbol. Dieses Mißverständnis teilt die dorfatheistisch-pseudolaizistische Linke mit der christlich-konservativen Rechten. Und selbst da, wo der Islam als eine politische Bewegung, die eine vorzivilisatorische Sozial- und Rechtsordnung durchzusetzen bestrebt ist, kritisiert wird, erscheint das Kopftuch bestenfalls als politisches Symbol für Islamismus und Patriarchat. Noch diese immerhin halbe Wahrheit verstellt jedoch den Blick auf das offensichtliche Wesen des Kopftuchs: es ist in seiner stofflichen Beschaffenheit eben nicht nur abstraktes Zeichen der Herrschaft, sondern diese selbst, d.h. ganz konkretes Unterdrückungswerkzeug, das unauslöschbare Spuren in der Psyche, der Sexualität und der sozialen Identität derjenigen hinterläßt, denen es in der Pubertät aufgezwungen wird. Solange die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht derart umgeworfen sind, daß es zum Schutz der Individualrechte auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung der Persönlichkeit keines Rechtsstaates mehr bedarf, ist folglich der Souverän in die Pflicht zu nehmen, die Rechte auch seiner migrantischen Bürgerinnen zu wahren und diese nicht mehr wie bisher der Privatsphäre des Rackets bzw. vermeintlicher Religionsausübung auszuliefern. Ein staatlich durchgesetztes Kopftuchverbot für Schülerinnen ist daher die Minimalforderung einer an der menschlichen Emanzipation orientierten Islamkritik.

Der Referent, Thomas Maul, lebt in der Hedonistischen Mitte von Berlin und ist Autor des bei ça ira erschienen Buches „Die Macht der Mullahs. Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger“ (Freiburg 2006).

Eine Veranstaltung der AG Kritische Theorie