An alle Antifa-Gruppen aus Nürnberg und Umgebung:
Der Querfront entgegentreten – Elsässer Veranstaltung verhindern!
Freitag, 26.01.2007 im Nachbarschaftshaus Gostenhof
„Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und schwule Subkultur gefördert“ – so steht es nicht etwa in der Jungen Freiheit, sondern in der Jungen Welt. Hieß es einst im NS-Propagandafilm „Jud Süß“: „Wie die Heuschrecken kommen Sie [die Juden] über unser Land“ (1) kopierte diese Stereotype inzwischen nicht nur die SPD und die IG Metall, sowie im Dezember der SPIEGEL, sondern auch die Linkspartei. Jürgen Elsässer, Autor des einleitenden Zitats und Berater von Linksparteichef Lafontaine („Familienväter und Frauen werden arbeitslos, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“) wird am 26. Januar im Nachbarschaftshaus Gostenhof ein Buch vorstellen, in dessen Ankündigung es heißt „Die Heuschrecken des Kapitalismus fressen alles kahl und verwüsten auch blühende Volkswirtschaften.“(2) Für Elsässer gilt: „Alle Macht dem Volke, verjagt die Heuschrecken, Schluss mit der Unterordnung unter die US-Politik“. Und weiter „Im Zeitalter der Globalisierung stellt sich die nationale Frage neu - auch in Deutschland“. Mit „Kapitalismuskritik“ im irgendwie fortschrittlichen Sinne hat das alles rein gar nichts mehr zu tun. Es ist ein antisemitisches Bekenntnis zu Deutschland und deutscher Identität, dass suggeriert alles wäre in Ordnung, gäbe es nicht die „Kahlfresser“ und die US-Politik und könnten die nationalen „Volkswirtschaften“ nur in Ruhe „blühen“. Es ist ein offenes Bekenntnis zu einem „guten“ und möglichst national-borniertem Kapitalismus, den Elsässer „Volkswirtschaft“ nennt, also auch ein Bekenntnis zu Herrschaft und Ausbeutung.
Und wer sich ein bisschen mit der Propaganda der Nationalsozialisten beschäftigt, der wird feststellen, dass sich Sprache, Metaphorik und Ideologie gleichen: hier die „gesunde“, „blühende Volkswirtschaft“(die „schaffende“) – dort das aussaugende, „raffende“ ergo „jüdische“ Kapital. Einziger Unterschied: Elsässer vermeidet das Wort jüdisch (so wie das heute auch die meisten Neonazis tun), er benennt die „Gegenrasse“ einfach als „Aliens“. Unter dem Kapitel vom „Imperium der Aliens“ spricht er von einer „antinationalen Epoche“. Aliens heißt „Fremde“ und bei so viel nationaler Identität, kann er nur die „antinationalen“ „Volksfremden“ meinen, auf die der Heuschreckenvergleich schon immer abzielte und gegen die sich deutsche Identität schon immer wandte: die „Jesusmörder“, „Weltverschwörer“ oder das „raffende Finanzkapital“ – alles Synonyme der Antisemiten für die Juden. Die deutsche „nationale Frage“, die Elsässer neu stellen möchte, ist seit ihren Ursprüngen in den antinapoleonischen „Befreiungskriegen“ verbunden mit dem Rassenhass gegen Juden.
Das verschwörungstheoretische Gerede von einer „Multikulti-Strategie des Großkapitals“ dürfte man nicht nur in Elsässers Buchankündigung finden, sondern ebenso in den Reihen der NPD und „Freien Kameradschaften“ und vor allem auch dort, wohin Elsässer will: am deutschen Stammtisch. „Alle Macht dem Volke - Schluß mit Realo-Anpasserei und Fundi-Dogmatismus: Die Linke kann nur mit einer populistischen Strategie an die Macht kommen“, lautet eine Kapitelüberschrift seines neuen Buches „Angriff der Heuschrecken - Zerstörung der Nationen und globaler Krieg“ und macht deutlich, dass Elsässer selbst gar nicht den Anspruch hat, Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse zu kritisieren, sondern selbst den „Marsch durch die Institutionen“ antreten will. Um ein solches Ziel zu erreichen, hat Elsässer keine Probleme, mit offen faschistischen und nationalsozialistischen Organisationen zu paktieren: So begeisterte sich Elsässer bereits für das slowakische Regierungsbündnis zwischen Sozialdemokraten (SMER), der nationalistischen Bewegung HZDS und der Slowakischen Nationalpartei (SNS), die sich offen auf den Nationalsozialismus bezieht. (3)
Der Kampf gegen Nazismus und Faschismus ist eine löbliche Sache. Wenn er nicht zur Heuchelei werden will, so darf er allerdings nicht auf Bekenntnisse zum „links“ oder „rechts“ sein vertrauen. Die Idee der Querfront ist keine Neue, aber sie ist eine aktuelle. Mit Elsässer kommt ein mehr oder weniger heimlicher Verfechter so einer Querfront nach Nürnberg, speziell nach „Gostenhof“ um an die dortige Linke zu appellieren.
Wir erwarten von den lokalen Antifagruppen eine klare Absage und öffentliche Positionierung zu dieser Veranstaltung. Wer den Antifaschismus als Minimalkonsens akzeptiert, sollte sich für die Verhinderung dieser Veranstaltung stark machen.
Die Ankündigung zur Veranstaltung, so wie ein Artikel über Elsässer aus der Zeitschrift „Der rechte Rand“, folgen als Anhang.
Elsässer Veranstaltung verhindern:
Freitag 26.01.2007 – 19:30 Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg - Nebengebäude, Aula
AG Kritische Theorie Nürnberg, am 15.01.2007
(1) Schon während der sogenannten „HepHep“ Unruhen 1819, die sich gegen die Juden als „Christusmörder“ richteten, hieß es in einem Aufruf „Diese Juden, die hier unter uns leben, die sich wie verzehrende (!) Heuschrecken unter uns verbreiten, und die das ganze preußische Christentum dem Umsturz drohen, das sind Kinder derer, die da schrien: kreutzige, kreutzige.“ (Aus der Reihe “Weka Media Unterrichtsbausteine” :Liberalismus - Nationalismus - Sozialismus - 7/2.3 “Ein allgemeiner Aufstand gegen die Juden”) Es sei am Rande noch bemerkt, das Hugo Chavez, dem die „Linkspartei“ im Namen der internationalen Solidarität die Stange hält, folgendes von sich gab: „Christus war und ist einer der größten Revolutionäre der Geschichte und der erste Sozialist unserer Zeit, der erste Sozialist und darum kreuzigten sie ihn. Die Nachkommen der Christusmörder kontrollieren heute die Welt.“ Wen wundert da noch die Solidarität solcher „sozialistischer“ Gotteskrieger mit dem Holocaustleugner aus Teheran und praktizierenden Judenmördern von der Hamas?
(2) Alle kursiven Zitate aus der Ankündigung für „Angriff der Heuschrecken - Zerstörung der Nationen und globaler Krieg“ (Verlag Pahl-Rugenstein) – erscheint am 14. Januar.
(3)In der jW vom 6.7.2006 verteidigte Elsässer die Querfront gegen „die Antifa“, aus deren Reihen sie kritisiert worden war. siehe dazu: http://www.hagalil.com/archiv/2006/07/elsaesser.htm
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Anlage I:
Angriff der Heuschrecken - Zerstörung der Nationen und globaler Krieg
Elsässers neues Buch
(Verlag Pahl-Rugenstein, 230 Seiten, 17.90 Euro, ISBN 3-89144-376-5)
Zu Beginn der neunziger Jahre verkündete Präsident George Bush der Ältere die Neue Weltordnung. Keine zwei Jahrzehnte später herrschen auf dem Planeten Zustände, als ob ein Angriff von Aliens stattgefunden hätte: Eröffnung immer neuer Fronten, Hunderttausende getötet, Millionen auf der Flucht, über eine Milliarde hungert.
Die einzig verbliebene Supermacht duldet neben sich keine andere Nation. Die Heuschrecken des Kapitalismus fressen alles kahl und verwüsten auch blühende Volkswirtschaften. Wer sich wehrt, wird zum Schurken erklärt und militärisch vernichtet. Wer sich fügt, muß Militärbasen dulden und seine Souveränität dem Imperium abtreten. Wie vor hundert Jahren entstehen rund um den Globus Kolonien und Halbkolonien - sowie Konzentrationslager für die renitenten Eingeborenen.
Dieses Buch ist nicht gut für die Gesundheit. Die Lektüre wird die Nerven strapazieren und könnte zu Schlaflosigkeit führen. Präsentiert wird keine trockene Analyse, sondern ein blutiges Schlachtengemälde: der Aufmarsch einer gewaltigen Armada und die ersten erfolgreichen Gegenstöße des Widerstandes.
(Inhaltsübersicht)
Kapitel 1: Imperium der Aliens
Wie der Kapitalismus seine Produktionsgrundlagen vertilgt und die menschliche Arbeitskraft ausspuckt - und einen denationalisierten Ultra-Imperialismus zeugt
Der Anbruch einer antinationalen Epoche verweist auf tiefe Brüche in den wirtschaftlichen Grundlagen des Weltsystems. Im ersten Kapitel wird aufgezeigt, daß es sich bei der Globalisierung nicht um ein Optimierungs-, sondern um ein Selbstmordprogramm des Kapitalismus handelt. Die Fundamente des Ware-Geld-Verhältnis sind zerrüttet. Seit dem 11. September 2001 hat die US-Notenbank Federal Reserve mehr Dollars in den Umlauf gepumpt als in den über 200 Jahren zuvor. Der Wert des Greenback ist nur noch durch militärische Erpressung gedeckt - bis alles in Scherben fällt.
Kapitel 2: Die Kollaborateure
Über Michel Foucault und Toni Negri und ein bißchen über Britney Spears: Wie die Achtundsechziger lernten, das Imperium zu lieben
Postnationalen Geisterfahrer - ein Tour d’horizon von 1968 bis heute mit einer ausführlichen Kritik des pseudo-linken Bestsellers “Empire” und einen Provokationen über die Multikulti-Strategie des Großkapitals.
Kapitel 3: Die Klugheit der Samurai
Die Globalisierung als “nicht umkehrbarer Prozeß”? Dagegen steht die Theorie von Karl Marx - und fernöstliche Weisheit
Der japanische Philosoph Toyota hat eine Ökonomik entwickelt, die gar nicht so weit von der Ökonomie Karl Marx’ entfernt ist. Beide dementieren das Gerede von der “alternativlosen” Globalisierung, das derzeit von den Großkonzernen über die linke Mitte bis hin zu manchen Autonomen nachgebetet wird.
Kapitel 4: Micky Mouse trifft Adolf Hitler
Der nationalistische Faschismus ist passé - sein postmoderner Bastard ist globalistisch
Dieses Schlüsselkapitel zeigt die Charaktermasken des neuen Ultraimperialismus in Aktion: Die US-amerikanischen Neokonservativen, die tonangebende Fraktion im Pentagon, arbeiten seit 9/11 gezielt auf einen Weltkrieg hin. In Deutschland werden sie publizistisch auch durch ehemalige Linke (sogenannte “Antideutsche”) unterstützt. Im Innern der USA wird Demokratie Zug um Zug abgeschafft - ein Putsch der Schattenregierung um Vizepräsident Dick Cheney droht. Im Unterschied zum klassischen Faschismus hat die neue Barbarei kein nationalistisches, sondern ein globalistisches Profil. Und: Antiislamismus ist heute die wichtigste Haßideologie - nicht mehr Antisemitismus. Dies muß Auswirkungen haben auf den antifaschistischen Kampf.
Kapitel 5: Alle Macht dem Volke
Schluß mit Realo-Anpasserei und Fundi-Dogmatismus: Die Linke kann nur mit einer populistischen Strategie an die Macht kommen
Das Kapitel vergleicht verschiedene Möglichkeiten, wie sich progressive Regierungen zwischen Peking, Brasilia und Caracas gegen den Neoliberalismus wehren. Auch in Deutschland könnten die Sozialisten wieder eine geschichtsmächtige Kraft werden, wenn sie mit Fundi-Dogmatismus ebenso brächen wie mit Realo-Spielereien und sich endlich der Mehrheit der Bevölkerung zuwendeten, statt sich auf die Probleme von Randgruppen zu kaprizieren. Mit einer populistischen Strategie könnten sie die Politikverdrossenen ansprechen, die die anderen Parteien längst aufgegeben haben: Alle Macht dem Volke, verjagt die Heuschrecken, Schluß mit dem Gehorsam gegenüber Washington - das ist die Melodie, die die Verhältnisse zum Tanzen bringen wird.
Kapitel 6: Was tun?
Im Zeitalter der Globalisierung stellt sich die nationale Frage neu - auch in Deutschland. - Wer sich von dieser Ankündigung nicht schrecken läßt, wird mit einem Abriß von Marx über Lenin bis zu Peter Hacks und Oskar Lafontaine belohnt, und mit Vorschlägen für die Praxis. “Man muß die Bande überraschen!”, wie Hacks gesagt hat.
Anhang:
Best of Elsässer 2001 - 2006
Texte zur Auseinandersetzung mit den Antinationalen
Jürgen Elsässer
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Anlage II: aus Der Rechte Rand, No. 103, November / Dezember 2006
Der (S)choc(k) des Monats - Oder: Wie Jürgen Elsässer zur extremen Rechten kam
Vom Kommunistischen Bund (KB) zur “Radikalen Linken”. Eine Station im Leben des Jürgen Elsässer. Damals, zur Zeit des Untergangs der DDR, als er publizistisch noch als Jürgen (Stuttgart) auftauchte, gehörte er zu den Wortführern der antinationalen Strömung der deutschen Linken. Diese analysierten treffend, dass der Anschluss der DDR nicht nur einen sozialen Kahlschlag in Ost und später auch in West nach sich ziehen würde, sondern dass das größere Deutschland auch größere Ziele verfolgen würde, danach strebend sich als Weltmacht zu etablieren. Und auch die Tendenzen zu einem Geschichtsrevisionismus, der die Schatten der NS-Vergangenheit verdrängen sollte, sagten Elsässer und die Antinationalen voraus…
Von Volkmar Wölk
Politische Wortführer und Publizisten leben von der Originalität. So auch Jürgen Elsässer. Von der “Analyse + Kritik” des KB ging es zur “Jungen Welt”, vom undogmatischen Kommunisten über den Antinationalen wandelte er sich zum Antideutschen. Auf den Bruch mit der “Jungen Welt” und die Mitbegründung der “Jungle World” folgte eine Periode als Redakteur der Monatszeitschrift “Konkret”. Und nach dem nahezu unvermeidlichen Zwist mit deren Herausgeber Hermann Gremliza kam der Salto rückwärts, die Heimkehr zur Tageszeitung “Junge Welt”. Die war zwar in ihrer Ausrichtung das geblieben, was der Elsässer von früher scharf gegeißelt hatte, nämlich ein Blatt mit unübersehbaren nationalbolschewistischen Tendenzen und häufigen antisemitischen Ausfällen, doch der Elsässer von ehedem hatte inhaltlich nicht mehr viel gemein mit dem reumütigen Heimkehrer.
“Mein Gott, Jürgen!”, seufzten bald manche, die ihn ein Stück seines kurvenreichen Weges begleitet hatten. Diejenigen, die seine Kritik am NATO-Angriffskrieg auf Rest-Jugoslawien geteilt hatten, zuckten zusammen, wenn sie nunmehr seine Rechtfertigungen der Politik Slobodan Milosevics oder die völkischen Positionsnahmen gegen Albaner lasen. Jene, die mit ihm gemeinsam vor den antisemitischen Konnotationen eines unreflektierten Antiamerikanismus gewarnt hatten, wandten sich entsetzt ab, wenn er nunmehr anlässlich des faktischen Bündnisses der slowakischen Sozialdemokraten mit der zur extremen Rechten zählenden Slowakischen Nationalpartei (SNS) verkündete: “Zum ersten Mal seit der kapitalistischen Wende 1989/90 kommt in Donald Rumsfelds ‘neuem’ Europa eine politische Kraft ans Ruder, die mit dem Neoliberalismus brechen will.”
Der Elsässer von heute scheint es mit dem CSU-Chef Franz-Josef Strauss zu halten, der angesichts von Parteigründungen rechts von der Union lapidar erklärt hatte: “Mit Hilfstruppen darf man nicht zimperlich sein.” Zimperlich ist erst recht Jürgen Elsässer nicht, wenn es um Verbündete im Kampf gegen den Neoliberalismus der USA geht. Er geht sogar noch weiter aus Strauß. Zwar gesteht er ein, dass die Propaganda der SNS “gelegentlich unappetitlich” sei, doch nur um sofort wieder eine völkische Wende zu vollziehen, indem er als eigentlichen Feind die ungarische Minderheit in Slowakien ausmacht, die gleichzeitig auch das ausgemachte Hassobjekt der SNS darstellt.
Doch schlimmer geht immer. Keinen Preis gibt es für die Frage, von wem das folgende Zitat stammt: “Mit Staatsknete wird Multikulti, Gender-Mainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können. Muss man sich wundern, dass die Opfer dieser Politik diesen Betrügern ihre Stimme nicht mehr gegeben haben?” Richtig, es handelt sich natürlich nicht um den Kommentar der NPD zu den Berliner Abgeordnetenhauswahlen, sondern um den von Jürgen Elsässer zum Abschneiden der dortigen neoliberalen Linkspartei.PDS. Auch Worthülsen wie “Staatsknete” und “Proleten” ändern allerdings nichts daran, dass die NPD dem Inhalt umstandslos zustimmen könnte.
Doch noch, werden Kritiker einwenden, habe doch Elsässer, immerhin Autor eines kritischen Bandes über die DVU, den Rubikon nicht überschritten. Noch sei er schließlich den Weg Horst Mahlers, Bernd Rabehls und anderer Renegaten der Linken nicht gegangen, die sich den Faschisten andienen. Das stimmt. Und es stimmt nicht.
In Deutschland nämlich hält es sich tatsächlich (noch) zurück. Im Ausland sieht dies anders aus. Dort redet es sich gänzlich ungeniert. “Choc du mois” (Schock des Monats) heißt das Hochglanzmagazin, das in Frankreich seit dem Mai dieses Jahres in einer Auflage von 25.000 Exemplaren vertrieben wird. Aufmacher der ersten Ausgabe war ein Interview mit dem schwarzen Komiker Dieudonné M’bala M’bala, einstmals bei der Linken geschätzt und inzwischen glühender Antisemit. Die Oktober-Nummer präsentiert ein Gespräch mit Brigitte Bardot, heute vor allem bekannt durch ihre Nähe zum faschistischen Front National. Die Orientierung ist eindeutig. Es handelt sich um ein strömungsübergreifendes Projekt der extremen Rechten mit eindeutig verschwörungstheoretischen, antisemitischen und negationistischen Tendenzen.
Es knüpft an den gleichnamigen erfolgreichen Vorgängen an, der 1993 sein Erscheinen einstellen musste. Chefredakteur damals wie heute ist Bruno Larebière. Heutiger Herausgeber ist Jean-Marie Molitor, der zugleich das faschistische Monatsblatt “Minute” verantwortet. 1993 musste die Zeitschrift ihr Erscheinen nach einem Interview mit Robert Faurisson einstellen, der darin vom “Mythos der Gaskammern” gesprochen hatte. Die nachfolgende Geldstrafe überlebte das Blatt nicht.
Nun ist es wieder da. Und präsentiert stolz in der Ausgabe von Juli/August auf drei Druckseiten ein Gespräch mit Jürgen Elsässer. Weitere Interviewpartner in der gleichen Nummer: der Chef des Front National, Jean-Marie Le Pen, sowie dessen ehemaliger Kronprinz Bruno Mégret. Unter dem Titel “Wie der Dschihad nach Europa gekommen ist” präsentiert Elsässer seine Erkenntnisse. Heimlich paktierten die USA weiterhin mit den Islamisten, auch wenn der Krieg in Afghanistan ein anderes Bild vermittle. So seien die SDA in Bosnien und die UCK im Kosovo weiterhin die Komplizen der USA. Elsässer wörtlich: “Auf dem Balkan ist die Hauptkraft der Destabilisierung die albanische Mafia, die Drogen und Waffen von ihren Brüdern in Afghanistan und anderswo bezieht.” Behauptungen, die weder neu noch originell sind. Es handelt sich um eine Argumentationskette, die bereits seit Jahren der “neu”rechte Autor Alexandre de Valle in seinen Büchern “Kriege gegen Europa. Bosnien – Kosovo – Tschetschenien…” sowie “Islamismus und Vereinigte Staaten – Ein Bündnis gegen Europa” entwickelt hat. Del Valle gehört zu jener Fraktion der “Neuen” Rechten, bei der der frühere Doppelfeind USA – UdSSR durch den neuen Zwillingsgegner USA – Islamismus abgelöst worden ist.
Nein, neu ist das alles wahrlich nicht. Originell sind höchstens andere “Erkenntnisse”, die Elsässer seinem französischen Gesprächspartner verrät. In Washington bestehe nämlich eine Doppelherrschaft, die sich der Kontrolle von George Bush entziehe. Neokonservative wie Cheney, Rumsfeld und Wolfowitz bildeten den Gegenpart zum Präsidenten, “Männer, die verknüpft sind mit den Interessen der Petro- und Rüstungsindustrie”. Sie wollten Chaos auf dem gesamten Globus herbeiführen, damit sich Waffen leichten und Öl teurer verkaufen lassen. Wem das noch nicht genug der Verschwörungstheorie ist, für den hat Elsässer noch ein Schmankerl zu bieten. Am Morgen des berühmten 11. September habe es einen Attentatsversuch auf George W. Bush gegeben. Der Präsident habe sich deshalb den ganzen Tag in einem unterirdischen Bunker verstecken müssen und habe nicht nach Washington zurückkehren können. Für die geistigen Urheber des Attentats fehlt Elsässer vorsichtshalber den Konjunktiv. Es sollen “Cheney & Co.” Gewesen sein.
“Wie der Dschihad nach Europa gekommen ist” lautet auch der Titel des jüngsten Buches von Elsässer, erschienen im österreichischen NP-Verlag, einem Tochterunternehmen des renommierten Residenzverlags. Das Interview ist faktisch Promotion für die französische Übersetzung des Bandes. Das Vorwort dazu hat der prominente nationalistische Sozialdemokrat und ehemalige Präsidentschaftskandidat Jean-Pierre Chevènement verfasst. Soweit, so unspektakulär. Der Verlag, der Elsässers Band für das französischsprachige Publikum veröffentlicht hat, ist scheinbar ein unbeschriebenes Blatt. Es handelt sich um den im schweizerischen Vevey ansässigen Verlag “Xenia Éditions”. Ganz und gar kein unbeschriebenes Blatt ist dagegen der Verleger, der Exil-Serbe Slobodan Despot. Despot hatte vor der Gründung seines eigenen Unternehmens fünfzehn Jahre lang den Verlag “L’Age d’homme” geleitet, der sich immer stärker zum Hausverlag der “Neuen” Rechten entwickelt hatte. Alain de Benoist findet sich unter den Autoren ebenso wie der bereits angeführte Alexandre del Valle oder der ehemalige General Pierre-Marie Gallois. Ebenso wie Despot tauchen die drei genannten Autoren als Unterzeichner des Aufrufs “Non à la guerre!” (Nein zum Krieg) auf, mit dem die französische “Neue” Rechte 1999 während des Kosovo-Kriegs nicht ohne Erfolg versuchte, ein Querfront-Projekt zur Unterstützung Serbiens zu starten. Ein Umgebung also in der sich Jürgen Elsässer wohl fühlen dürfte.
Bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Was hat ein solcher Autor als Berater der Bundestagsfraktion der Linkspartei.PDS für den Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre zu suchen?

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