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Die Inszenierung eines Interventionsanlasses

Über die Völkerschlacht im früheren Jugoslawien
und die deutsche Regie auf dem Kriegsschauplatz

Vortrag von Thomas Becker
Als am 24. März 1999 Piloten der Bundeswehr an der Seite eines Nato-Geschwaders über Belgrad erschienen, welches ihre ersten Bombenladungen auf die Stadt warf und damit eine Luftschlacht einleiteten, die 78 Tage andauern sollte, bis sie Serbien schließlich zur Kapitulation zwang, hatte die UCK den Krieg schon gewonnen. Die sogenannte Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner hatte, wie die kroatischen und muslimischen Volkskrieger vor ihr, den Aufstand gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, nur gewagt, weil sie die berechtigte Hoffnung hegte, dass ihr die überlegene Militärmacht des Westens zur Hilfe eilen würde, sobald der Krieg einmal in Gang gekommen war. Die Strategie hatte sich in Bosnien bewährt. Um die gewünschte Nato-Intervention heraufzubeschwören, musste man nur – z.B. durch terroristische Aktionen – die Staatsorgane zu unverhältnismäßigen Gegenmaßnahmen provozieren und so lange durchhalten, bis in den internationalen Medien der Anschein eines außer Kontrolle geratenen Bürgerkriegs entstand. Opfer unter der Zivilbevölkerung und Fluchtbewegungen stellen sich dann normalerweise ganz von selbst ein, so dass Massaker und Gräueltaten nicht in jedem Fall inszeniert oder frei erfunden werden müssen. Die UCK brauchte nur wenige Anläufe, zuerst im Frühjahr, dann im Sommer 1998, um schon nach einem Jahr jene humanitäre Katastrophe herzustellen, welche zum Anlass der Nato-Intervention wurde. In Bosnien, wo man sich noch nicht auf einen Präzedenzfall beziehen konnte, der dort erst geschaffen wurde, brauchte es dafür mehr Zeit und Opfer. Das deutsche Volk, das seine Selbstbestimmung am 9. November 1989 errungen hatte, war zunächst das einzige Vorbild und Deutschland der einzige westliche Verbündete. Der Volksaufstand in Kroatien und Bosnien konnte sich damals lediglich auf das Versprechen des deutschen Außenministers stützen, dass den Völkern Jugoslawiens nicht verwehrt werden könne, was den Deutschen gerade geschenkt ward, und dass mit jedem Schuss der Ausbruch aus dem „sozialistischen Völkergefängnis“ näher rücke.

Thomas Becker lebt als freier Autor in Bielefeld und schreibt u. a. für die Zeitschrift „Bahamas“

Donnerstag, 26.März 2009 – 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KUNO) Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg
Eintritt: 5,– / 3,– €