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Die Reserven zur Verhinderung des
allgemeinen Chaos

Was kann die US-Politik dem europäischen
Appeasement entgegensetzen?

Vortrag von Gerhard Scheit

Es scheint sich um ein geradezu gesetzmäßiges Schwanken der US-Politik zu handeln: Auf den Republikaner Theodor Roosevelt folgt der Demokrat Woodrow Wilson, nach Bush jr. zieht Obama ins Weiße Haus ein. Jener macht sich, was die Frage der Souveränität betrifft, wenig Illusionen und tut jederzeit kund, daß eine kraftlose, nicht durch Macht abgesicherte Rechtlichkeit („a milk-and-water righteousness“) ebenso verdammenswert oder noch verdammenswerter sei als Macht ohne Recht; und ist sofort bereit, in den Krieg zu ziehen, wenn ein Weltkrieg droht; dieser aber verklärt den nötigen Waffengang, der den Einflußbereich und die Handelsmacht der USA sichert, zum letzten Krieg, der den ewigen Frieden bringe: „war to end all wars“. Der Nachfolger ideologisiert die pragmatischen Entscheidungen des Vorgängers – und läuft Gefahr, die Grundlage dieser Pragmatik: den aufgeklärten Begriff westlicher Souveränität, preiszugeben.

Tatsächlich treten die USA immer in den Krieg ein, um unter Beweis zu stellen, nicht einfach alle Kriege, sondern jeden Weltkrieg zu beenden, das heißt jede
von Katastrophenpolitik entfesselte, alle Grenzen überschreitende, kriegerische Auseinandersetzung. „Die amerikanische Auffassung vom gerechten Krieg“, so Hannah Arendt, „ist wesentlich – nicht ‚a war to end all wars’ oder ‚a war to make the world safe for democracy’ – von der Kriminalisierung des Angriffskriegs als Angriff, als Friedens- und Vertragsbruch bestimmt, wobei nach angelsächsischer Auffassung der Vertragsbruch schwerer wiegt als der Friedensbruch.“ Der Frieden werde nach dieser Auffassung nicht „ideologisiert“, also „von der Realität gelöst“, es bedarf hingegen stets „einer klaren Gefahr und Bedrohung, um die Welt zu pazifizieren“.

Am Ende eines solchen Kriegs steht eine, von der US-Politik inspirierte oder ins Leben gerufene internationale Organisation, die als adäquate Antwort auf
die Katastrophenpolitik gedacht ist – und dazu tendiert, den Frieden zu ideologisieren. Die Siegermächte simulieren einen Weltsouverän, hervorgegangen aus dem Weltkrieg. Statt „balance of power“ müsse es nunmehr „a community of power“ geben, „not organized rivalries, but an organized common peace“, sagte Wilson 1917. Und je mehr die Macht der Sieger schwindet, desto mehr geben die Erfolge und Mißerfolge dieser Organisationen zu erkennen, daß ein solcher Überstaat „to end all wars“ nicht wirklich existiert, sondern nur ein Gleichgewicht des Schreckens, das aber durchaus dauerhafte, organisatorische Form anzunehmen vermag und als regulatives Prinzip auf Zeit fungieren kann. (…)

Samstag – 13. Juni 09 – 19.00 Uhr
DIA – Amerika Haus Nürnberg – Gleisbühlstr. 9
Eintritt 3,-/ 5,- Euro

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Inhalt

  • Im vergangenen März jährte sich das Nato-Bombardement auf Belgrad zum 10. Mal. David Parnass zieht ein Resümee der damaligen Intifada auf dem Amselfeld auf Seite 1.
  • Warum die Linke nicht radikal und der GegenStandpunkt nicht ideologiekritisch ist, erklärt Leo Elser ab der Seite 6 in seiner Kritik der linken Langeweile.

Die Nürnberger nennen es zärtlich Burka-Plakat; außer der CSU fand bislang niemand Anstoß daran. Das soll sich mit den folgenden beiden Artikeln ändern:

  • David Parnass kritisiert ab Seite 11 das, was Postmoderne wohl „Diskurs“ nennen würden: Das typisch-deutsche Geschwätz in der Stadt der Reichsmenschenrechte.
  • Sind Burka und Kopftücher nur ein Stückchen Stoff? Wohl eher der Stoff aus dem die Alpträume sind. Rudi Landmanns Ideologiekritik des Schleiers und seiner islamischen wie poststrukturalistischen Apologeten ab Seite 14.


Pólemos # 01 Download als PDF