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ça ira Verlag und AG Kritische Theorie präsentieren

KOMMUNISTISCHER LITERATURSALON NÜRNBERG
27. und 28. November 2009

ACHTUNG RAUMÄNDERUNG!
Die Veranstaltungen am Samstag mussten verlegt werden. Der neue Veranstaltungsort ist der Serbische Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstraße 4, U-Bahnstation Rothenburger Straße (U 2 und U 3), drei Stationen vom HBF entfernt. Bitte auch die geänderten Anfangszeiten beachten.
Für den Freitag ändert sich nichts.

Freitag, 27. November, K4, Königsstraße 93, Kopfbau (2. Stock)

19:00 Uhr
DAS KONZEPT MATERIALISMUS
Buchvorstellung mit Manfred Dahlmann (ISF Freiburg)
Der revolutionäre Materialismus oder auch: kritischer Kommunismus der Gegenwart hat die Erfahrung der Shoah und hat die Geschichte des Nazifaschismus nicht einer wie immer auch kritisch gemeinten Gesellschaftstheorie anzuhängen und aufzukleben, sondern er hat diese Erfahrung vollendeter Negativität in das Innerste seiner Kategorien aufzunehmen und zu reflektieren. Jedweder ’Marxismus’, der sich weigert, auf diesen Zeitkern der Wahrheit zu reflektieren, ist Müll. Kein Materialismus ist noch denkbar, der dies nicht im Herzen der Kritik der politischen Ökonomie zu bedenken hätte. Es geht darum, der katastrophalen Entfaltung des Kapitals zu seinem Begriff, der Barbarei, kritisch inne zu werden.

21:00
REVOLUTIONSTRIBUNAL – Zur Pathologie des jüngeren deutschen Nationalbolschewismus am Beispiel der jungen Welt.
Mit Joachim Bruhn (ISF Freiburg), Jan Gerber (Halle), und Danyal (Cosmoproletarian Solidarity)
Die sogenannte radikale Linke, die zwar nie radikal, sondern stets sozialdemokratisch war, ist tot. Ihr Verfaulungsprozess lässt sich an der nur ein paar Meter vom Revolutionstribunal entfernten „Linken Literaturmesse“ beobachten. Die einzigen dort feilgebotenen Bücher, in denen noch ein Hauch des Lebens und der Kritik steckt, bieten die Antiquariate an, alles Andere dort ist im besten Falle anachronistisch. Den Kitt, der die Verfaulenden bei der Stange hält, bietet die junge Welt, an der gar nichts jung ist und deren Ideologie von den autochtonen Völkern ein Zentralangriff auf die revolutionäre Idee der einen Menschheit ist, der sich, wie stets im Antiimperialismus, gegen den Staat der Juden und den Westen richtet. Das Revolutionstribunal wird die längst überfällige Beerdigung dieser Zeitschrift und ihres gesamten Linken Anhangs.

Samstag, 28. November, Serbischer Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstr. 4

17.00 Uhr
FIGHT FOR FREEDOM – Die Legende vom anderen Deutschland
Buchvorstellung mit Jan Gerber und Anja Worm (Halle)

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg “wurde der Welt die Lüge von der deutschen Unschuld aufgetischt. Die Welt wurde eingeladen zu glauben, daß Deutschland angegriffen wurde und daß es das Schwert zu seiner eigenen Verteidigung gezogen hat. Eine zweite Lüge wird derzeit für den universellen Gebrauch vorbereitet, die Lüge, daß das deutsche Volk an diesem Krieg unschuldig ist.” (Curt Geyer/Walter Loeb 1942)

Während die erste Lüge inzwischen weitgehend vergessen ist, hat die zweite bis heute Bestand. Die Legende vom ‘anderen Deutschland‘ war eine der ideologischen Gründungsvoraussetzungen der Bundesrepublik und der DDR, und bis heute gehört sie zum geschichtspolitischen Repertoire der Berliner Republik.

Curt Geyer, Walter Loeb und die Mitglieder der Gruppe “Fight for Freedom” zählen zu den wenigen, die dieser Legende schon in den frühen vierziger
Jahren, im britischen Exil, entgegentraten. Mit Artikeln, Broschüren und Dossiers (die hier erstmalig in deutscher Übersetzung geboten werden)
unterstützten sie Sir Robert Vansittart, Mitglied des Oberhauses und Publizist, neben Henry Morgenthau noch immer einer der in Deutschland
bestgehaßten Männer.

19:00 Uhr
WIDER DIE GESUNDHEITSRELIGION – Über das Krisenphänomen Gesundheit
Vortrag von Leo Elser (Redaktion Pólemos)

Nicht nur metaphorisch lässt sich eine Gesundheitsreligion – wenn auch ohne jede Transzendenz – diagnostizieren: Das Ideal ist unerreichbar, und der Weg führt über Entsagung von Genussmitteln, Selbstkasteiung im Sport und die Beichte beim Hausarzt. An die Stelle der Priesterrobe tritt der Arztkittel, an die des Wissensmonopols mittelalterlicher Kleriker auf den Weg zum Seelenheil das der Mediziner auf den zur Gesundheit.

Die Unterwürfigkeit des Patienten vor dem weißen Kittel, die Totalisierung der Medizin, die steigende Anzahl verschriebener Psychopharmaka, „ganzheitliche Ernährung“, Diäten, „Nichtraucherschutz“ und Fitnesskult sind längst zur Alltagsideologie geworden, von der nicht nur ganze Industriezweige leben, sondern die weitreichende Teile der Lebenszeit der Individuen vereinnahmt. Der den Gesunden eigentümliche „krampfhafte Hang zum Positiven“ (Adorno) ist jedoch das Anschmiegen an den Prozess der Vergesellschaftung selbst, der autoritäre Versuch widerspruchsfreie Identität herzustellen, den Freud verzweifelt als „Todestrieb“ auf den Begriff zu bringen, Heidegger affirmativ als „Sein zum Tode“ zu ontologisieren suchte.