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Soeben ist Heft # 09 der Zeitschrift Pólemos erschienen:

Inhalt:

  • Daniel Poensgen: Sterben für die Staatsräson. AfD und Israelsolidarität im Bundestag
  • Leo Elser: Substantitalisierung des Staates. Über die politische Rechte
  • Joachim Bruhn: Adolf Hitler, der unmittelbar allgemeien Deutsche. Über die negative Dialektik der Souveränität
  • Julika L.: What did you learn in school today? Über die Pathologisierung von Schülerverhalten
  • Leo Elser: Vernichtungszahnrädchen
  • Ilse Bindseil: Smogalarm

4€, 40 Seiten. Ab Heft # 09 ist die Pólemos auch über den Buchhandel bestellbar:  ISBN: 978-3-86259-804-5.

Wir empfehlen die Bestellung über den Ca-ira-Verlag.

Kurz vor Erscheinen des neuen Hefts reichen wir noch einen Text aus Pólemos #08 nach:

 

Eine Frage der Herkunft

Anmerkungen zum Zusammenhang von Ernährung, Regionalismus und Ökonomie

Von Julika L.

Dieser Körper gab nichts her. Alles verdaute er. Alles verleibte er sich ein. Ein Durchfall, ein Erbrechen hätten Wunder wirken können. Doch keine Rede davon: nichts rückte er heraus. Es gab Tage, da wollte er in seinem Geiz, in seiner Gier nicht einmal den Stuhlgang hergeben, sondern nur noch die Gase.“ (Gisela Elsner, Der Nachwuchs, 1968)

Das, was in Elsners Roman nachwächst, in strenger Beobachtung seines Wuchses durch die Ernährer, wie der Erzähler seine Eltern nennt, existiert in stetem Selbstbezug. Aber es ist nichts an diesem Selbst, außer seinem Körper, an dem der Erzähler ständig zieht, rupft, den er wiegt, bemalt, reibt, an dem er porkelt. Ständig wurschtelnd an etwas, das in sich eingeschlossen nichts hergibt, nichts hergeben will. Ein Produkt der 50er und 60er Jahre, in der die deutsche Gesellschaft im engsten Kreis der Familie die Früchte ihrer Zerstörungs- und Vernichtungspolitik in sich hineinfraß, in nicht enden wollender Angst, es könnte am Ende doch etwas eingefordert werden aus ihren Kriegs- und Mordgewinnen. Daher die Gier, das, was sich schuldhaft einverleibt wurde, nur nicht wieder herauszugeben. Es ist restlose Aneignung, die sich später im madenhaft-fetten Körper Kohls ebenso wiederspiegelte, wie in den anorektisch-mageren Körpern der RAF Aktivisten, die sich dieser Fütterung verweigerten. Und um Futter dreht es sich heute ständig, während es vor gut 50 Jahren ein Thema der Hausfrauen, ein wirklich häuslicher Bereich der Sättigung des Ehemannes und der Kinder gewesen ist, um die sich die Mutter gekümmert hat und kümmern musste. Sich dem Kochen zu entziehen galt deswegen von jeher als ein Ausweis von weiblicher Emanzipation, oft auch als kokette Geste, sich nicht gemein zu machen mit der biederen und beschränkten Hausfrau. Nun scheint sich, nachdem diese Aufgaben tatsächlich weniger selbstverständlich von Frauen besorgt werden, eine ganze Gesellschaft zu hausfräulichen Kümmerern zu entwickeln.

Die Ideologisierung des Essens zur Ernährung (1) zeugt von einer pars-pro-toto Konstellation zwischen Eltern und Kind, Konsument und Industrie, Bevölkerung und Staat. Zunächst geht dem, allgemein gesprochen, bewussten Konsum, die Vorstellung, bzw. der Wunsch voraus, man handle im Sinne aller anderen. Was sollen alle anderen tun? Sie sollen sich, so der moralische Imperativ, möglichst im Sinne einer umfassenden Schonung der Tiere, Ressourcen und Menschen ernähren, kleiden, bewegen. Die zur Verfügung stehenden Produkte bewegen sich dabei in engstem Raum, wie auch das politische Engagement, nach dem der bewusste Konsument trachtet, im engsten Rahmen seiner Reproduktion, seiner Hausfrauenseite, seiner Körperlichkeit verbleibt. Der Körper steht im Zentrum und die Frage, was er sich einverleiben darf und soll. Im Gegensatz zur Figur Kohls ist allzu viel Sitzfleisch heute allerdings ebenso verpönt wie allzu heftige Magerkeit. Als ästhetisch-ideologische Extreme identifiziert, sind sie inzwischen von gesunder Körperlichkeit abgelöst worden. Die kollektiv latent essgestörte Gesellschaft verachtet an diesen Extremen nicht, was den Kern einer Essstörung kennzeichnet: die permanente gedankliche und emotionale Fixierung aufs Essen unter absoluter Unterwerfung und Disziplinierung, die sie ja mit den pathologischen Fällen wenigstens tendenziell teilt, sondern dass letztere ihre Essstörung nicht restlos selbstbeherrscht betreiben würden. Entsprechend zielen landläufige Therapien häufig auf Kochkurse und die Verinnerlichung gesunder Ernährungsprinzipien. Das Ideal kraftstrotzender Gesundheit akzeptiert weder ‚Fette‘, noch ‚Magermodels‘, sondern propagiert stromlinienförmige Körper.

Gesundheit ist Leistungs- und Leidenspotential, was im Sport ernstfällig trainiert und beim Essen, nur freiwilligen Stopfgänsen vergleichbar, eingetrichtert werden muss. Folgerichtig orientieren sich die ästhetischen Vorbilder der Deutschen zurzeit an Soldaten und Müttern und ebenso erinnern die modernen Flecht- und Zopffrisuren mit ihrem weibischen Erntedankfestflair und die mackerhaften, martialischen Undercuts mit Seitenscheitel an die Volksgenossen aus den Filmen der „Nazischlampe“ (Broder) Riefenstahl. Die Deutschen seien ein „Volk, wo immer viel Neigung vorhanden bleibt, das Ideal des Weibes in der Kuh und das des Mannes im Schlagetot zu erblicken“, bemerkte Thomas Mann in den 20er Jahren sehr treffend.

Damit einhergehend wird wieder gegessen, was auf den Tisch kommt, wie die Käufer von Gemüsekisten-Abos sich gerne von den Jahreszeiten, ihrer Gesundheit und ihrem politischen Gewissen wie einst von ihren Eltern diktieren lassen, was wann zu essen sei. Bedürfnisse sind nie ein Argument für die Produktion gewesen. Dass sie als zahlungskräftige inzwischen nicht einmal mehr für die Konsumtion taugen, ist Wahnwitz.

Nicht als beschränkende Enge, sondern als Nähe wird aber die Wendung zu regionaler Landwirtschaft und Produktion bewertet. Dadurch seien unnötige Abgase (2) beim Transport zu vermeiden und die regionale Wirtschaft zu stärken. So einfach liegen die Dinge zwar nicht unbedingt, verbraucht ein importiertes argentinisches Rindersteak doch unter Umständen trotz Transport deutlich weniger CO2 als ein deutsches, bei dem aufgrund geringerer Weideflächen mehr Getreide zugefüttert werden muss. Zumal angesichts der Überproduktion von Fleisch ohnehin keine direkte Beziehung zwischen Fleischkonsum und der Menge geschlachteter und transportierter Tiere besteht.

Explizit politisch wird die ‚bewusste Ernährung‘ allerdings vor allem angesichts apokalyptischer Vorstellungen, die sich an geplante Freihandelsabkommen mit den USA oder an amerikanische Konzerne heften. Implizit aber richtet sich die regionale Ernährung stets gegen den Import von im Ausland produzierten Lebensmitteln. Davon abgesehen, dass Deutschland, ohne ein weiteres Mal die Annexion Südosteuropas zu betreiben, kaum genug landwirtschaftliche Flächen bietet, um seine Bevölkerung zu versorgen, wird der Import von Lebensmitteln vor allem deswegen betrieben, um das unterschiedliche Lohnniveau auszunutzen und die Lebensmittelkosten möglichst gering zu halten. Ohne die niedrigen Preise und die enorme staatliche Subvention unrentabler deutscher Landwirtschaftsbetriebe wäre allerdings die Niedriglohnpolitik des Exportweltmeisters nicht aufrechtzuerhalten. Während die Subventionspolitik wiederum ihren Beitrag zu der alles andere als umweltfreundlichen landwirtschaftlichen Überproduktion leistet, läuft die Abwehr von über den Weltmarkt bezogenen Lebensmitteln auf nichts anderes als Protektionismus hinaus. Ökonomisch betrachtet ist die Tendenz zur weltmarktunabhängigen Sicherstellung der Lebensmittelversorgung aber nichts anderes als Kriegswirtschaft in Friedenszeiten, die staatlich in Form von Agrarsubventionen, ansonsten aber in Eigeninitiative der Volksgenossen betrieben wird.

 

Von Bio zu Regio

„Deutsche, kauft deutsche Zitronen! / Und auf jedem Quadratkilometer Raum / träumt einer seinen völkischen Traum“ spottete Tucholsky 1932, als sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise die westlichen Industrienationen dem Protektionismus verschrieben (3). „Deutsche, kauft Deutsche Bananen!“ zitierte die Linke ihn noch vor wenigen Jahren und fühlte sich damit dem rechten Pöbel überlegen. Dabei sind sie es gewesen, die politische Korrektheit im (immerhin internationalem) Kaffeekonsum und fleischfreie Ernährung als Kochtopfkonsens einforderten und politisch korrekte Ernährung mehrheitsfähig machten. Inzwischen entdecken die Deutschen offenbar wieder ihre Raubtiernatur – allerdings unter der Bedingung, dass das Tier möglichst in den gleichen heimischen Gefilden mit dem gleichen Gemüse gepäppelt wurde, wie man selbst. Eben Fleisch vom Fleische, das zeigt nicht zuletzt die massenhafte Empörung über den Veggie-Day der Grünen und die gestiegene Anzahl von Hobbyjägern, trotz des laut Statistiken allgemein sinkenden Fleischverzehrs der Deutschen.

Im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten hat auch die Bio-Industrie mittlerweile ein folgenschweres Problem (4): ihr haftet der Geruch nach Kosmopolitismus an. Biotomaten können überall wachsen (sogar in Israel), denn Natur gibt es ja schließlich nicht nur in Deutschland. Hier zeigt sich, dass zunehmend ein Spalt zwischen Bio- und Regional- Überzeugung klafft. Windkraftwerke zum Beispiel nehmen zwar Rücksicht auf die Natur des Umlands (Flora und Fauna), aber nicht auf das Naturell der Bevölkerung (berechtigte Sorgen und Nöte). Da gelten eben andere „Regeln“. Umweltschutz ist in Deutschland gebürtiger Heimatschutz. Natur mag international sein, die „Kulturlandschaft“ kennt jedoch ihre Herkunft sehr genau. Und das hat seinen Grund im Ernstfall, der im Schrebergarten der friedlichen Selbstversorger nur geprobt wird. Schließlich dient der fruchtbare Deutsche Boden stets auch der Versorgung im Kriegsfall: landwirtschaftliche Autarkie und regionale Authentizität sind deshalb Begriffe, die Mord und Totschlag ausdünsten. In den dreißiger Jahren charakterisierte Lion Feuchtwanger die deutschen Bauern folgerichtig: „Aus Instinkt wurden sie Nationalisten, denn sie ahnten, daß nur die Rücksicht auf die Versorgung im Kriegsfall den deutschen Bauern hielt.“ Trotz der allgemeinen Urban-Gardening und Gartenarbeit generell anvisierenden Begeisterung ist allerdings der explizite politische Bezug auf diesen Ernstfall beim „bewusst konsumierenden“ Verbraucher aktuell nicht zu bemerken. Selbst die Reformhaus-Reklamezeitschrift Schrot und Korn trägt militärische Wehrhaftigkeit höchstens für wortwitzelnde Kritiker im Namen. Das Verhältnis zur Ernährung, wie Essen heute genannt wird, ist trotzdem geprägt von der politischen Situation Deutschlands. Die Bevölkerung mag für den fleischfreien Eintopfsonntag zu haben sein, wenn es darum geht, einen Krieg zu gewinnen – aber sie verbittet sie sich solche Aufopferung für jedes Blümelein am Wegesrand (Diese aktuelle, national-robuste Haltung ist sicher auch einer der Gründe für das derzeitige Umfragetief der Grünen).

 

Völkische Rindviecher

„Den Badenern sagt man ja nach, dass sie harmoniesüchtig sind, dass sie Widersprüche im Guten überwinden („badische Lösung“) und dass sie das Geben und Nehmen als weise Handlungen des guten Miteinanders verstanden haben. Außerdem sind sie lustvolle Genießer mit Sinn für Vielfalt. All das findet sich im badischen Rindfleisch.“ (Sonntagszeitung Freiburg, 02.04.17)

Wer seine völkische Herkunft noch mit regionalen Lebensmitteln aufzubessern sucht, als sei er noch nicht Deutsch genug, steht offenbar mit halbem Fuß im Kochtopf der eigenen Leute. Dabei könnte man glauben, dass die penetrante deutsche Vergemeinschaftung, die in Form von regionalem Gemüse, heimatlicher Folklore und volkstümelnder Propaganda seit etwa zehn Jahren in Deutschland verbreitet wird, doch eigentlich stets ins Feld geführt wird, um dem zu entgehen: dem Fressen und Gefressen werden. Aber Weizenfeld und Feld der Ehre, Landwirtschaft und Kriegswirtschaft liegen zu nahe beieinander, als dass man ernstlich von einer nationalen Entlastung in Sachen kapitalem Hauen und Stechen ausgehen könnte. Weil die Erträge deutscher Landwirtschaft auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig sind, fürchten besonders die Landwirte internationale Handelsabkommen wie TTIP, welche die nationalen Subventionen, die hierzulande in die Landwirtschaft gesteckt werden, als wettbewerbswidrig zurückweisen könnten. Umso mehr vertrauen die Bauern auf ihre nationale Sonderstellung, und die Deutschen, deren Versorgung hier ansteht, hoffen und bangen mit Ihnen. Schließlich wird Ackerland in Deutschland trotz der niedrigen Erträge immer teurer, wie Deutschland Radio Kultur beklagt: „Spätestens seit der Finanzkrise ist Bauernland heiß begehrt und darum teuer. Finanzkräftige Menschen und Investoren erhalten kaum noch Zinsen für ihr Geld, deshalb suchen sie, genauso wie viele Pensionsfonds, verzweifelt nach sicheren Anlagen. Boden ist eine solche sichere Anlage. [H. v. Verf.]“.

Im Vertrauen auf die Wehrhaftigkeit Deutschlands wird dessen Territorium entsprechend bestellt: ohne Profit ist der Boden immerhin für den ideellen Mehrwert fruchtbar zu machen, den die Bauern erbringen und die Bürger verteidigen sollen. Eine bäuerliche (versus industrielle) Landwirtschaft, in der die Landwirte selber anfassen – um wenigstens einen anständigen Ertrag erwirtschaften: Die Blüten des Elends technischen Fortschritts. Denn während die Agrarwissenschaft inzwischen an einer Bebauung des Bodens tüftelt, die beinahe ohne Bauern auskommt, erfreuen sich die patriotischen Konsumenten regionaler Produkte an der altehrwürdigen Sklavenarbeit ihrer Volksgenossen auf dem Feld und goutieren sie in Form von Familienurlaub, Ausflügen oder Führungen für Schulklassen auf dem Land. Ein reichhaltiges Agitationsprogramm, das sehr viele ökologische Landwirtschaftsbetriebe anbieten müssen, um sich vor der Pleite zu bewahren. Aber es wäre zu kurz gegriffen, nur die arbeitsamen Authentizitätstouristen anzugreifen. Die Kulturland eG, die jene „finanzkräftigen Menschen“ (Merke: Wohlmeinende Deutsche sind niemals profitgeile Investoren.) für ihre nachhaltigen Kreditsysteme (die Kulturland eG kauft genossenschaftlich Land, um es an ökologisch-landwirtschaftliche Betriebe zu verpachten) anwirbt, nennt in ihrer Präambel weitere Abgründe für die Förderung deutscher Kleinbauern: Die Nutzung von landwirtschaftlichem Grund und Boden darf nicht von den Regeln sich selbst vermehrender Geldströme bestimmt werden. Landwirtschaft soll vielmehr die Fruchtbarkeit des Bodens langfristig bewahren, pflanzliche Erzeugnisse in Verbindung mit größtmöglicher Biodiversität hervorbringen und Menschen und Tieren damit eine Lebensgrundlage schaffen. Sie pflegt und bewahrt Kulturlandschaften als Ort und Heimat für menschliche Gemeinschaften.“
Sich selbst vermehrende Geldströme? Wären die Verfasser des Selbstverständnisses der Kulturland eG nicht so bescheiden in ihren Formulierungen und zivilisiert in ihren Forderungen, würden sie die Dinge vielleicht bei dem Namen nennen, den die „menschliche Gemeinschaft“ der Deutschen, die sie doch vertreten, dem vermeintlich „mühelosen Einkommen“ (Hitler) traditionell beigelegt hat: der verdammte jüdische Wucher.

Dabei würden die Volksgenossen der Kulturland eG solche Worte natürlich ablehnen. Woher allerdings der zersetzende Wurm in ihrer fruchtbaren Erde konkret herrühren soll – es bleibt das Geheimnis der unnatürlich und unproduktiv kopulierenden Geldströme selbst. Die Programmatik der Landwirtschaftler belässt es lieber bei positiven Konnotationen: Es geht um heimatliche Fruchtbarkeit, nicht um die geldwerte Ödnis, um natürliche, langfristige Vermehrung, es geht um genug Raum fürs V…– für die Biodiversität. Wovor eigentlich soll dies alles bewahrt werden? Wie die gesamte Regio-Konsumkultur lebt die Propaganda der Kulturland eG von der zumeist völlig zutreffenden Beobachtung, dass sich marktwirtschaftliche Konkurrenz und Natur nicht gut vertragen – wobei gerade etwa die hochgelobte dichte Bewaldung in Deutschland ebenfalls ein Produkt der Forstwirtschaft der letzten zweihundert Jahre ist. Bei genauerer Betrachtung ist Natur weniger naturbelassen als die damit beworbenen Produkte. Natürlich behandelt jeder – unter Drohung seiner ökonomischen Existenz – sowohl seine eigene menschliche Natur wie die Welt, die nicht nahtlos integrierbar, kompensierbar und disziplinierbar, im Sinne der Natur: kultivierbar scheint, tendenziell feindlich. Es ist eben nicht nur so, wie inzwischen landläufig, dass Hunger kein Grund zur Produktion ist, sondern Hunger ist der Produktion ebenso ein Störfaktor, der den Betriebsablauf hemmt, und als störende, leibliche Regung bekämpft wird, wobei der Staat als gesamtgesellschaftlicher Nährer in die Bresche springt.

Abgesehen davon ist Natur auch jenseits ihrer ökonomischen Verwertbarkeit keineswegs Teil einer Kulturlandschaft, Heimat, oder dem politischen Pendant zur organischen Kulturlandschaft: der Volksgemeinschaft. Als kulturell bzw. kulturlandschaftlich zersetzend können auch Windräder, nicht ursprünglich heimische Tierarten – was übrigens als biologische Invasion bezeichnet wird – oder Neubauten in Kreuzberg gelten. Denn der Ausweg, die Lebensgrundlage die von der Ökowirtschaft geschützt werden soll, soll das Dilemma permanenter Bedrohung der Natur aushebeln, indem sie den Verzicht auf marktwirtschaftliche Konkurrenz fordert, damit einhergehende Lohn- und Preisfestsetzung sowie Umweltschutz auf tendenziell niedrigstem Niveau bekämpft und die Globalisierung dieses Vorgangs durch Regionalismus aussetzen will. Eine solche streng kontrollierte nationale Wirtschaft verlagert wirtschaftliche Konkurrenz auf die inneren Fragen ideologischer Zweckhaftigkeit: Wer und Was trägt wohl am meisten bei zum Erhalt der Lebensgrundlage und der Kulturlandschaft? Diese Gewissensfrage stellt der Regionalismus in Simulation autarker Kriegswirtschaft an die engagierte Gemeinschaft. Ein Wettlauf ideologisch motivierter Mangelernährung, an dem die ganze Bevölkerung sich beteiligen soll. Seit der Weltwirtschaftskrise baut Deutschland auf eben dieses Vertrauen der Bevölkerung in die politische Rücksichtslosigkeit nach außen durch moralische Geschlossenheit nach innen.

Anmerkungen:

(1) Dazu ist zu bemerken, dass die politische Aufladung des Essens nicht nur schwachsinnig ist, sondern in ihrer einzigen, tatsächlichen praktischen Konsequenz, nämlich dem Verzicht, zunächst eine Bedürfnisbeschneidung darstellt – selbst wenn dieselbe als Lust erfahren wird. Privaten kulinarischen Vorlieben jedoch eine moralische Legitimation, eine politische Relevanz zuzugestehen, um diese in den Stand eines politischen Urteils zu hieven, ist eine grauenhafte Pointe der scheinbar harmlosen politischen Privatisiererei, denn sie fordert Opfer, um der Prüfung der Opferbereitschaft selbst willen. Dabei ist „bewusste Ernährung“ weder Urteil noch tatsächliche Handlung, sondern hat eher die autistische Qualität einer manischen Ersatzhandlung.

(2) Wie der deutsche Judenmord mit der deutschen Infrastruktur zusammenhängt, also Auschwitz mit den Autobahnen, ist es naheliegend, dass die Diskussion um Abgase in der ökologischen Linken von der Assoziation mit der „Vergasung“ geprägt ist.

(3) Und weiter: „Da liegt Europa. Wie sieht es aus? / Wie ein bunt angestrichnes Irrenhaus. / Die Nationen schuften auf Rekord: / Export! Export! / Die andern! Die andern sollen kaufen! / Die andern sollen die Weine saufen! / Die andern sollen die Schiffe heuern! / Die andern sollen die Kohlen verfeuern! / Wir? / Zollhaus, Grenzpfahl und Einfuhrschein: / wir lassen nicht das geringste herein. / Wir nicht. Wir haben ein Ideal: / Wir hungern. Aber streng national.“ (Theobald Tiger: Europa, in: Die Weltbühne, 12.01.1932, Nr. 2, S. 73).

(4) Laut „Ernährungsreport 2017“ legen 73% der Befragten „Wert auf regionale Produkte“, während nur 35% angeben, sich „an bestimmten Siegeln“ zu orientieren.

Wir haben es tatsächlich lange Zeit versäumt, unsere Homepage aktuell zu halten. Aber jetzt, da Heft #09 fast fertig ist, ist es doch an der Zeit, auch hier darauf hinzuweisen, dass im Frühjahr 2018 Heft #08 erschienen ist:

Inhalt:

  • Daniel Poensgen: „Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten“. Zur Verbindung von Waffenexportkritik und bewaffnetem Staat.
  • Lukas Potsch: Ohnmacht und Omnipotenz. Die Ideologie des gegenwärtigen Politaktivismus. Zwei Buchbesprechungen.
  • David Hellbrück: Gewissenvoller Appetit. Über die moralische Fettwerdung der Deutschen.
  • Florian Müller: Alles Verhandlungssache. Zur gesellschaftlichen Funktion von Erziehung.
  • Leo Elser: „Good Cop, Bad Cop“. Der Polizist als verkörperte Antinomie des Staates.
  • Julika L.: Eine Frage der Herkunft. Anmerkungen zum Zusammenhang von Ernährung, Regionalismus und Ökologie.

Das Heft kann über den ca-ira-Verlag bestellt werden.

Ohne dass es noch allzu große öffentliche Skepsis gegeben hätte, wurde Ende Februar das Asylpaket II im beschleunigten Verfahren beschlossen, das den Familiennachzug für „subsidiär Geschützte“ für zwei Jahre aussetzt und die Einrichtung besonderer Aufnahmezentren zur beschleunigten Verfahrensprüfung vorsieht. Weiterhin hat die Bundesregierung unter explizitem Bezug auf die Kölner Silvesternacht das „Gesetz zur erleichterten Ausweisung von straffälligen Ausländern“ beschlossen, das die Möglichkeiten, Flüchtlinge von der Anerkennung auszuschließen und in den Verfolgerstaat abzuschieben, von schwerer auf Fälle einfacher und mittlerer Kriminalität erweitert. Wir dokumentieren im Folgenden einen Text über die Reaktionen auf jene Silvesternacht, der Mitte Januar verfasst und Ende Januar auf unserer Homepage veröffentlicht wurde.*

 

Hatte die deutsche Öffentlichkeit sich noch im Sommer selbst dafür auf die Schulter geklopft, die massenhaft vor Krieg und Not nach Europa und vor allem Deutschland Geflüchteten nicht einfach verhungern zu lassen, sondern in elendigen Sammelunterkünften notdürftig zu versorgen, folgte den sommerlichen Erklärungen, man könne nun Stolz auf seine Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit sein, recht bald Ernüchterung, Fatalismus und zunehmend Panik. Schon bevor im November Islamisten in Paris ein Blutbad angerichtet hatten, war bundesweit die Stimmung längst gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge gekippt. Hatten die Anschläge in Paris schon den Widerwillen „fremde“ Menschen ins Land zu lassen verstärkt, wurde eine Silvesternacht zum Anlass einen von Medien und Polizei angedrehten Staatsnotstand zu inszenieren, der sich nicht nur durch eine ohnehin abwesende Vernunft auszeichnete, sondern in dem auch noch einfache Verstandestätigkeiten abtraten.

Was genau in jener Nacht an der Kölner Domplatte geschah, lässt sich nachträglich kaum rekonstruieren. Tatsächlich gab es eine große Menschenansammlung – laut Polizeiangaben gegen 23:00 Uhr etwa 1000 Personen (1), überwiegend junge Männer „migrantischer“ Herkunft. Gesichert ist, dass es im Laufe des Abends zu einer beträchtlichen Anzahl von sexuellen Übergriffen und Diebstahlsdelikten gekommen ist. Außerdem wurden Feuerwerkskörper nicht bloß in den Himmel, sondern auch in die Menge geschossen. Mit Sicherheit wird es für viele Passanten und die anwesende Polizei eine äußerst unangenehme, wahrscheinlich auch gefährliche, und vor allem für die betroffenen Frauen unerträgliche Situation gewesen sein. Doch schon das Ausmaß der Straftaten lässt sich kaum seriös angeben: Haben bis zum Abend des 2. Januar rund 30 Geschädigte Anzeige erstattet, waren es einige Tage später, nachdem die Zeitungen bereits begonnen hatten, sich mit stets neuen Schreckensmeldungen zu übertrumpfen, schon über 800; je mehr Anzeigen es wurden, darin war sich die Presse weitgehend einig, desto mehr sei „das Ausmaß deutlich“ geworden. Zwar ist es durchaus möglich, dass sich durch die öffentliche Berichterstattung auch mehr Opfer von Straftaten getraut haben zur Polizei zu gehen; ebenso denkbar ist aber auch, zumal bei der immer stärker angedrehten öffentlichen Hysterie, dass viele Anzeigen auf Sachverhalten basieren, die unterhalb der Grenzen der Strafbarkeit liegen. Doch nicht nur fiel die Unterscheidung von einer Anzeige und einer tatsächlich begangenen Straftat dem öffentlichen Bedürfnis zum Opfer, die Vorgänge in Köln so weit wie möglich zu dramatisieren, sondern auch die der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten untereinander. Raub und Vergewaltigung verschwammen mit sexueller Nötigung und Diebstahl, die Weigerung Platzverweisen Folge zu leisten, Körperverletzung, Beleidigungen, usw. – alles wurde unterschiedslos gleich bewertet und vor allem der gleichen „Tätergruppe“ zugeschrieben. Dabei ist doch naheliegend, dass sich einerseits eine nicht ganz unübliche Ansammlung angetrunkener und sexuell aggressiver junger Männer zusammengefunden hat, die sich vor allem durch die pure Anzahl von dem Wahnsinn unterschied, der in allen größeren Städten nachts an jedem Wochenende zu beobachten ist. Und dass andererseits einige Räuberbanden diese Ansammlung zum unauffälligen Absahnen im großen Stil verbunden mit sexuellen Übergriffen nutzen wollten. Gut möglich, dass die Anzahl der Straftaten an diesem Abend die bei großen, alkoholisierten Menschenmengen wie dem Oktoberfest übliche überschritten hat; unabhängig davon ist jedoch klar, dass beim Oktoberfest niemand auf die Idee käme, angetrunkene aggressive Männer, pöbelnde Idioten, Diebe, Räuber und Vergewaltiger unterschiedslos als ein und dieselbe Gruppe zu betrachten.

Es gehört gewiss zu den sinnvollen Grundsätzen des Rechts, jemanden in der Regel nur dann für eine Straftat verantwortlich zu machen, wenn ihm eine persönliche Verantwortung nachgewiesen werden kann, und er nicht einfach bei einer Menschenversammlung zugegen ist, bei der auch Straftaten begangen werden. Doch solche Feinheiten wie rechtliche Grundsätze kümmerten eine Woche nach Silvester niemanden mehr. Aus unterschiedlichen Tätern unterschiedlicher Taten wurde ein Kollektivsubjekt namens „enthemmter Mob“, aus Leuten die an dem Abend kontrolliert wurden, umstandslos Täter: „Den Kollegen zufolge wurden von mehreren kontrollierten Männern Meldebescheinigungen des Bundesamts für Migration vorgelegt. Da waren ganz sicher Flüchtlinge unter den Tätern“ – so der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Arnold Plickert (2).

Hatte man einmal alle Unterscheidungen die nötig wären, die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, Hamburg usw. erklärbar zu machen, über den Haufen geworfen, und die unterschiedlichen Anwesenden zu einem einzigen migrantischen Subjekt erklärt, waren die Ereignisse nur noch als Verschwörung zu erklären. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein“, erklärte nicht etwa der Sprecher einer der berüchtigten Montagsdemos, sondern der Bundesjustizminister Heiko Maas. „‚Es wäre schön, wenn das keine organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren‘. So etwas passiere ja nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken“(3). Erst als ab Mitte Januar die Dramatisierungsspirale an ihr Ende gelangte – als hätte sich die Domplatte zeitweilig in ein Konzentrationslager verwandelt, hatte Maas dekretiert, es handle sich „um nicht weniger, als ein[en] zeitweilige[n] Zivilisationsbruch“(4) – kam man auf die naheliegende Idee, die Ereignisse gruppendynamisch statt verschwörungstheoretisch zu erklären.

Was „der Mob“, die Verdächtigen und die unterschiedlichen Täter gemein haben sollen, und was sie von den ja ebenfalls am Dom anwesenden Geschädigten unterscheidet, was es also letztlich erlaubt, sie zum Kollektivsubjekt zu machen, ist nach übereinstimmenden Berichten wahlweise ihr „Migrationshintergrund“, ihr „nordafrikanisches“ oder „arabisches“ Aussehen. Nach Silvester haben für die Berichterstattung, in den Polizeiberichten und in den Reaktionen der politischen Klasse gängige rechtsstaatliche Kategorien wie die Unschuldsvermutung oder individuelle Schuld bestenfalls noch sekundäre Bedeutung – entscheidend ist nur noch die Herkunft (5).

Begierig griff die Presse einen angeblich „internen Bericht“ der Bundespolizei auf, der tagelang ausgiebig zitiert und vom WDR in gekürzter Fassung dokumentiert wurde (6). Ein Schreiben, das allerdings erst am 4. Januar verfasst wurde, ohne dass dies größere Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit zur Folge gehabt hätte. Darin heißt es, am Domplatz hätten sich „einige tausend meist männliche Personen mit Migrationshintergrund, die Feuerwerkskörper jeglicher Art und Flaschen wahllos in die Menschenmenge feuerten bzw. warfen“ befunden. Das trotz fehlendem Migrationshintergrund offenkundig schlechte Deutsch des anonymen Verfassers verrät, wie aus den Anwesenden gleich einige tausend werden, die allesamt in die Menschenmenge feuern.

Einer der viel zitierten Sätze aus dem Bericht lautet, die Polizei wäre „zu dem Entschluss [sic] [gelangt], dass die uns gebotene Situation (Chaos) noch zu erheblichen Verletzungen, wenn nicht sogar zu Toten führen würde“. Tote hat es sicher keine gegeben, aber auch von erheblichen körperlichen Verletzungen ist bislang wenig bekannt, obwohl doch jede Schreckensmeldung begierig aufgegriffen wird. Gesichert ist dagegen, dass kein einziger Polizist verletzt wurde, was angesichts einer gewalttätigen Räuber- und Vergewaltiger-Meute von tausend oder mehr doch etwas erstaunt.

Der Verfasser berichtet weiterhin vom „Zerreißen von Aufenthaltstiteln mit einem Grinsen im Gesicht und der Aussage: ‚Ihr könnt mir nix, hole mir Morgen einen Neuen‘“. Komisch nur, dass der Aufenthaltstitel seit 2011 als Chipkarte ausgegeben wird (7), was freilich niemanden hinderte, diese Kolportage eifrig zu verbreiten. Am häufigsten zitiert wurde allerdings ein völlig kontextlos in den Bericht geschriebenes Zitat: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen“. Obgleich der Bericht offen lässt, wer das in welcher Situation gesagt haben soll – es könnte sich auch um einen nur zufällig Anwesenden handeln, der bei der polizeilichen Räumung im Weg stand – wurde das Zitat medial geradezu zum Leitspruch der Gewalttäter erklärt. Die sich aufdrängende Frage, was das Zitat (ebenso das oben angeführte „Grinsen im Gesicht“) eigentlich in einem „internen“ Polizeibericht zu suchen hat, stellte niemand (8).

Was im Gestus einer bloßen Feststellung von „Tatsachen“ berichtet wurde, wurde unmittelbar zum Kommentar einer halbjährigen „Flüchtlingsdebatte“. Die unhinterfragte und unkritische Verbreitung dieses Zitats, mit der nun endgültig die Trennung von Bericht und Meinungsspalte in den Zeitungen aufgehoben war, lässt sich gar nicht anders erklären, als dass dieses Zitat wie nichts sonst geeignet war, sich den schon immer gegen die Geflüchteten gerichteten Verdacht bestätigen zu lassen. Dass die nämlich, die keiner haben wollte, aber die man trotzdem ganz großzügig nicht einfach verrecken ließ, wegen fehlender Dankbarkeit die Hilfe gar nicht „verdient“ hätten. Schließlich fasste dieses eine Zitat doch in verdichteter Form die Leitthemen der Flüchtlingsdebatte assoziativ zusammen: Syrer, Merkel, freundlich behandeln. Mit Merkel Syrer (als pars pro toto für alle Flüchtlinge) „freundlich“ zu behandeln, so der Subtext, führt letztlich, allem guten Willen der Deutschen zum Trotz, doch nur zu Ausnahmezustand, Vergewaltigung und Raub.

Welche Bedeutung hat die Ausschlachtung und Kolportage dieses Zitats, wenn nicht die eines Generalverdachts? „Zu den mutmaßlichen Tätern sagte de Maiziére, es dürfe ‚keinen Generalverdacht gegen Flüchtlinge geben‘, zumindest nicht ‚in diesem Stadium der Ermittlungen‘“ (9) – welche neuen Erkenntnisse werden denn die Rechtfertigung für einen Generalverdacht gegen Flüchtlinge liefern? Vielleicht die Aufdeckung einer großen Flüchtlingsverschwörung durch Heiko Maas?

Über das Stadium eines Verdachts, selbst eines Generalverdachts, war die Debatte aber schon längst hinaus, setzt ein Verdacht doch noch einen wie auch immer gearteten Zweifel an der Schuld voraus. Die politische Debatte war einen Schritt weiter und bei der Feinderklärung angelangt, bei der Forderung also, Härte zu zeigen und durchzugreifen. Statt Straftäter gemessen an ihren Straftaten zu bestrafen, geriet die Herkunft der Täter schnell zum entscheidenden Kriterium. „Wer Gastrecht missbraucht, hat Gastrecht verwirkt“ schlussfolgerte Sarah Wagenknecht (10), Sigmar Gabriel polterte in Manier des Wutbürgers, „warum der deutsche Steuerzahler ausländischen Kriminellen die Haftzeit bezahlen solle“ und De Maiziére sekundierte „Geltendes Recht ist, dass bei einer Strafe von drei Jahren eine Anerkennung als Flüchtling ausgeschlossen ist. Das ist eine sehr hohe Hürde“ (11). Findet bislang bei Straftaten unterhalb der Schwelle von drei Jahren Haftzeit noch eine Abwägung der Interessen des Flüchtlings auf Schutz und dem Interesse des Staates auf Abschiebung statt – es kann also je nach Situation auch deutlich früher abgeschoben werden – soll gerade die Schwelle, die automatisch eine Aberkennung des Asyls zu Folge hat, drastisch reduziert werden. Der CDU-Vorstand forderte bereits „eine Abschiebung bei Strafen von mindestens einem Jahr, die nicht zur Bewährung ausgeschrieben werden. Künftig sollen auch Serienstraftäter erfasst werden, die mehrfach wegen Ladendiebstahls oder Schwarzfahrens verurteilt worden sind“ (FAS 10.1.). Ob Raub, Vergewaltigung, Ladendiebstahl oder Schwarzfahren, der Feind ist stets derselbe. Burkhard Lischka, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, führte der Gedanke an kriminelle Ausländer, mit Betonung auf Ausländer, unweigerlich zum Gedanken an Aufräumen und Verunreinigungen: „Wo die öffentliche Ordnung nicht mehr gewährleistet ist, hilft nur ein konsequentes Aufräumen ohne falsch verstandene Toleranz für Gesetzesüberschreitungen. Jede Regelverletzung muss geahndet werden, auch wenn es sich um kleinere Verstöße handelt wie etwa Verunreinigungen oder Ähnliches“(ebd.). Zu den CDU-Plänen für Gesetzesverschärfungen ergänzte er, „er sehe das ‚recht unideologisch‘“(ebd.), wobei das „unideologisch“ in diesem Kontext gar nicht auf die Bestrafung von Straftätern – egal welcher Herkunft – abzielen kann, sondern nur auf die Beseitigung der Restempathie für diejenigen, die auf Gnade des Staates angewiesen sind.

Der oben beschriebene Ausfall fundamentaler Verstandesleistungen wie der Differenzierungsfähigkeit, der auch ausländische Schwarzfahrer und Verunreiniger in die Feindbestimmung einschließt, ist freilich keine zufällige Unfähigkeit oder intellektuelle Schwäche, sondern zielt absichtsvoll auf die Beseitigung bestehender Skrupel im Umgang mit Flüchtlingen. Bereits vor den Ereignissen von Köln war die Stimmung längst gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge gekippt (12). Anders als oft suggeriert, stellen die Folgen der Ereignisse von Köln keineswegs einen Wendepunkt dar: Schon vor Köln sollten Abschiebungen gesetzlich erleichtert und die europäischen Außengrenzen geschlossen werden. Es geht derzeit gar nicht um ein paar dutzend Kriminelle oder ein paar hundert Idioten, die einer Bevölkerungsgruppe zuzurechnen sind, die weder über politische Macht noch Einfluss verfügt. Sondern um das Verhältnis der Deutschen zu Recht und Empathie. Ein zum Staatsnotstand dramatisierter Abend reicht offenbar aus, die ambivalente Logik des Rechts weg von seiner formellen Seite, die etwa von der Herkunft des Täters abstrahiert, hin zu seiner politisch-inhaltlichen Seite der permanenten Vorwärtsverteidigung tendenziell aufzulösen (13). Statt gleichem Recht für alle, wie mühsam, vermittelt, und manchmal auch ohne befriedigende Ergebnisse das wäre, soll endlich durchgegriffen und Härte gezeigt werden. Es sollen noch die letzten Zweifel über Bord geworfen werden, die den ein oder anderen noch beschleichen könnten, angesichts der Not geflüchteter Menschen und dem Elend in den Massenverwahrungsanstalten, in denen sie hierzulande verwaltet werden. Härte, Durchgreifen und Aufräumen sind die mittlerweile weit in der bürgerlichen Mitte und auf Regierungsebene angekommenen Lieblingsvokabeln Autoritärer auf dem Weg zur Verfolgergemeinschaft.

Noch für den eigenen Willen zur Verfolgung werden die gesamtgesellschaftlich Ohnmächtigen verantwortlich gemacht, indem Verfolger im Wartezustand sich selbst zu Opfern erklären. „Der Mob hat uns alle missbraucht(!)“ lautet der Titel eines Hetzartikels, der nicht etwa in der jungen Freiheit, sondern in der Welt erschienen ist. Uwe Schmitt beklagt darin, es sei seine „Toleranz, die missbraucht (!!) wurde“. „Der feixende Mob hat sich an meinem guten Willen vergriffen (!!!), er drängt mich, meine Fairness gegenüber Migranten aufzugeben, mein Verbot von Verallgemeinerungen zu umgehen: ich will nicht mehr denken (!) und rechten, ich will Vergeltung und Strafe. Ich will, dass der deutsche Rechtsstaat Landesverweise durchsetzt statt Platzverweise: Schiebt ab, haut ab, ob ihr drei Jahre hier lebt oder drei Wochen“. Seine „Haltung gegenüber denen, die zu uns strömen, um sicherer und besser zu leben [sei] vergewaltigt (!!!!)“ worden; es seien die Täter von Köln, die den „Generalverdacht gegen jeden jungen Mann mit Migrationshintergrund“ gesät hätten. Der „Mob“ habe den „guten Willen“ der „vielen vormals Wohlmeinenden“ „geschändet“ (!!!!!). Diese ehemals „Wohlmeinenden“ „werden sich wehren. Mit Rückzug oder Radikalisierung. Mob gegen Mob“(14).

Nicht einzelne Frauen wurden Opfer sexueller Nötigung und Vergewaltigungen, sondern das Kollektiv der wohlmeinenden Deutschen. So unterschiedslos das fremdländische kollektive Tätersubjekt, so unterschiedslos auch das der Opfer (15). Was als Feinderklärung so aussieht, als trete es in größten Gegensatz zu den Tätern, erweist sich doch gerade als Intimität mit dem Feindbild: Schluss mit verweichlichtem „denken und rechten“, weg mit weibischer Empathie. Endlich nicht mehr mühselig unterscheiden müssen, keine Zurückhaltung mehr üben müssen, sondern enthemmt losschlagen – und das auch noch schuldlos.

So zeigt sich auch, dass es hier nicht etwas Fremdes ist, das die Wut erzeugt, sondern gerade die gefühlte Nähe: Es ist das vorläufig noch mühselig unterdrückte eigene Bedürfnis, aus der Vermittlung zu springen und loszuschlagen, für dessen Unterdrückung den Flüchtlingen nun die Rechnung präsentiert wird.

 

Nachtrag:

Der hier abgedruckte Text hat unmittelbar nach seiner Veröffentlichung einige Aufregung ausgelöst. Die Empörung, dass die Pólemos jetzt dem Antirassismus zugeneigt sei, begann bei Facebook und wurde dann von Magnus Klaue in der Bahamas abgeschrieben. Als wollte die Bahamas die in der letzten Pólemos kritisch dargestellte Aporie des Rechts affirmativ wenden, deren formelle Seite allein die Bürger- und Freiheitsrechte garantiert, das aber dabei seiner inhaltlichen Seite (des „Sonderrechts“) nicht entraten kann, fühlt sie sich mittlerweile ganz der deutschen Souveränität verpflichtet, um wiederum vom Recht zu schweigen (vgl. etwa Justus Wertmüller: Der deutsche Anschlag auf die Souveränität. In: Bahamas 72, S. 28-34). In der Perspektive deutscher Souveränität aber mussten sich Begriff und Sache der Islamkritik notwendig verändern. In älteren Texten der Bahamas kann man deutlich nachlesen, dass die Islamkritik eines nicht war: Die angemaßte Position desjenigen, der meint, über Aufenthaltsrechte auch von gänzlich unsympathischen Zeitgenossen mitreden zu müssen. Der Universalismus der Islamkritik war zugleich die Bedingung der Kritik des Antirassismus, dessen Übel doch gerade im Anti-Universalismus jenes Kulturalismus, der im Kern nur von der Feindschaft gegen den einzig vernünftigen Partikularismus zusammengehalten wird: nämlich den Zionismus.

Unabhängig von Klaues eigenwilliger Interpretation der Zitate liegt die entscheidende Differenz jedoch darin, ob es denn zutrifft, dass „die Kölner Übergriffe, die djihadistischen Attentate [von Paris und Brüssel] und die Flüchtlingspolitik sinnvoll nur gemeinsam thematisiert werden können“ (Klaue: Fass mich nicht an, in: Bahamas 73, S. 26). Begründet wird dies von Klaue damit, dass die Kölner Täter mit den Attentätern von Paris „den Hass auf die westlichen Gesellschaften, die ihn ihnen garantierten Rechte und vorausgesetzten Pflichten, und den unbedingten Willen teilen, diese Gesellschaften durch gemeinschaftliche Akte islamischer Dezivilisierung ihrer Grundlage zu berauben“(ebd.). Woher Klaue diese exakte Kenntnis über den einheitlichen Willen der Kölner Täter nimmt, verrät er nicht. Es mag ja naiv sein, aber wäre es nicht denkbar, dass Leute die eine Menschenmenge ausnutzen, um massenhaft Handys zu klauen, vielleicht doch andere Motive haben, als Menschen, die mit einem Maschinengewehr in eine Menschenmenge feuern? Und dass auch in den Motiven ein Unterschied besteht, zwischen einer mit dem Islam zusammenhängenden Frauenverachtung, die nicht unbedingt das Ziel, sondern eher die Bedingung eines grapschenden Mobs ist, und einem gezielten Akt zur „Dezivilisierung“ mittels Massenmord?

Die islamische Frauenverachtung war ja in der Tat nach Köln plötzlich das wesentliche Thema der Berichterstattung, was überhaupt erst den Umdeutungsversuch der Linken ermöglichte, zu behaupten, es handle sich nicht um ein spezifisch islamisches, sondern um Sexismus als ein allgemein gesellschaftliches Problem. Allerdings war schon das Ausgangsproblem falsch formuliert, weil es im Rahmen der „Flüchtlingskrise“ gar nicht um die Kritik der islamischen Sexualmoral und Geschlechterordnung ging, sondern um die Rechtfertigung von Grenzschließungen und Abschiebungen. Wie wenig die Linken dem tatsächlich entgegenzusetzen hatten, zeigt der Umstand, dass die Bundesregierung beide Deutungen zugleich aufgriff und sowohl massive Verschärfungen im „Gesetz zur erleichterten Ausweisung von straffälligen Ausländern“, als auch eine erneute Verschärfung des Sexualstrafrechts mit Verweis auf die Kölner Silvesternacht begründete. Die Bundesregierung hat so, ganz gemäß Klaues Forderung, tatsächlich ihre politische Antwort auf die Attentate von Paris und Brüssel und die Kölner Silvesternacht in die Flüchtlingspolitik integriert. Aufgrund von Straftaten können nun mehr nicht nur schwere Kriminelle und Terroristen abgeschoben werden, sondern auch Kleinkriminelle, wobei im Straftatenkatalog zur Abschiebung auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung besonders hervorgehoben werden. Am wenigsten nützen wird das denen, die von der islamischen Geschlechterordnung am schwersten betroffen sind: den Frauen und Mädchen in islamischen Ländern; denn zeitgleich mit diesen Verschärfungen wurde der Familiennachzug ausgesetzt. Eine Kritik der islamischen Sexualmoral, der es letztlich doch vor allem um diese Frauen gehen müsste, ist eben nicht vereinbar mit einer Islamkritik im Dienste deutscher Souveränität.

 

Anmerkungen:

*Dem Text wurde Anfang August eine Vorbemerkung und ein Nachtrag hinzugefügt, um ihn an die Druckfassung anzupassen.

(1) So hat es jedenfalls die Polizei laut WDR kundgetan. Vgl. http://www1.wdr.de/themen/aktuell/chronologie-koeln-uebergriffe-100.html. Tage später war dann von „einigen Tausend“ die Rede, was, wenn auch schwer zu schätzen, doch mindestens eine Steigerung um 100% ausmacht, aber eben auch dramatischer klingt.

(2) http://www.welt.de/politik/deutschland/article150735341/Die-meisten-waren-frisch-eingereiste-Asylbewerber.html

(3) http://www.faz.net/aktuell/politik/sexuelle-uebergriffe-in-koeln-das-ganze-scheint-abgesprochen-gewesen-zu-sein-13999522.html.

(4) http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Heiko-Maas-SPD-Das-war-nicht-weniger-als-ein-zeitweiliger-Zivilisationsbruch-1573366629.

(5) So schaffte es etwa die Belästigung einer Frau im Bus durch eine südländische Männergruppe in die überregionale Berichterstattung (http://www.huffingtonpost.de/2016/01/11/sexuelle-belastigung-hamburg-bus_n_8955444.html), in Freiburg wurde Flüchtlingen der Zutritt in eine Diskothek, in Bornheim der in ein Schwimmbad untersagt und in Rheinberg ein Karnevalsumzug abgesagt, weil die Strecke an einer Flüchtlingsunterkunft gelegen hätte (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/bornheim-maennliche-fluechtlinge-erhalten-schwimmbad-verbot-a-1072150.html).

(6) http://www1.wdr.de/themen/aktuell/dokumentation-bundespolizei-100.html.

(7) http://www.bamf.de/DE/Willkommen/Aufenthalt/eAufenthaltstitel/e-aufenthaltstitel-node.html

(8) So viel zur journalistischen Sorgfaltspflicht: In §6 des nordrhein-westfälischen Pressegesetzes heißt es: „Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen“.

(9) http://www.faz.net/aktuell/politik/sexuelle-uebergriffe-in-koeln-das-ganze-scheint-abgesprochen-gewesen-zu-sein-13999522.html. Auch der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, beherrscht das ‚Es dürfe nicht, aber‘: „Wendt warnte davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Er frage sich allerdings schon, warum jetzt der große Aufschrei ausbleibe. […] ‚Wenn es andere Täter wären, etwa Hogesa-Mitglieder, wäre der Aufschrei längst da“. Als die Hooligans im Oktober 2014 in Köln randalierten und dabei 44 Polizisten verletzten, gab es zwar auch einen „Aufschrei“ – der war aber, gemessen an dem, was Anfang Januar in deutschen Zeitungen los war, lapidar.

(10) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sahra-wagenknecht-zum-asylrecht-die-gast-rechte-a-1071614.html#utm_source=politik#utm_medium=medium#utm_campaign=plista&ref=plista

(11) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/innenminister-thomas-de-maiziere-warnt-im-faz-interview-vor-schweigespirale-14004064.html. Bei Straftaten unterhalb der Schwelle von drei Jahren Haftzeit findet bislang noch eine Abwägung zwischen dem Interesse des Flüchtlings auf Schutz und dem Interesse des Staates auf Abschiebung statt.

(12) Laut ARD Deutschland-Trend von Anfang Dezember hielten da schon 85 % der Befragten die Verstärkung von Grenzkontrollen, 73 % die Verpflichtung auf deutsche Grundwerte und 72 % die Einführung einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen für richtig.

(13) Vgl. dazu Leo Elser: Recht als irrationale Rationalität, in: Pólemos # 6.

(14) http://www.welt.de/debatte/kolumnen/made-in-germany/article150742666/Der-Mob-hat-uns-alle-missbraucht.html

(15) Nicht nur bei Schmitt: Ein Umfrage Anfang Januar, die zum Ergebnis hatte, dass sich die meisten Befragten für eine Ausweitung der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen aussprechen, wobei die Zustimmung dazu unter Frauen noch stärker verbreitet ist, wurde unter dem Titel „Deutsche Frauen wollen mehr Videoüberwachung“( http://www.welt.de/politik/deutschland/article150749181/Deutsche-Frauen-wollen-mehr-Videoueberwachung.html) präsentiert – „Deutsche Frauen“, nicht etwa einfach Frauen (wie es die Umfrage hergibt) oder Frauen in Deutschland. Und ein Bericht über die exorbitante Zunahme von Pfefferspraykäufen in Deutschland lautet: „Deutsche decken sich massenhaft mit Pfefferspray ein“(http://www.welt.de/wirtschaft/article150758016/Deutsche-decken-sich-massenhaft-mit-Pfefferspray-ein.html).

 

Heft #06 ist soeben erschienen:

Inhalt:

Redaktion Pólemos: Angst und Ehre. Die Anschläge von Paris und die Folgen.

Moritz Schneider: Weder Ost noch West. Anmerkungen zum deutschen Verhältnis zu Russland.

Siegfried Imholz: Fürther Geschichtslegenden. Das Dokumentationszentrum für Ludwig Erhard.

Jörg Finkenberger: Die Physik als reale Theologie der verzauberten Welt. Zum Briefwechsel zwischen Leibniz und Clarke.

Leo Elser: Recht als irrationale Rationalität. Teil 1: Die Logik des Rechts.

David Hellbrück: Das Lachen und das Unbewusste. Über den gesellschaftlichen Charakter des Lachens.

Weil die Mitglieder der alten Pólemos Redaktion über verschiedene Städte verteilt waren, was eine kontinuierliche Diskussion nahezu unmöglich machte und weil es auch Differenzen über Sinn und Gestaltung des Hefts gab, hat sich die alte Redaktion aufgelöst. Daher erschien über einen längeren Zeitraum kein neues Heft mehr, was uns insbesondere die Abonennten verzeihen mögen. Eine neubesetzte Redaktion führt das Heft nun weiter.

Freundlicherweise übernimmt in Zukunft der ça ira Verlag die Auslieferung des Hefts. Mitglieder des Instituts für Sozialkritik Freiburg erhalten die Pólemos (so wie alle Neuerscheinungen des ça ira Verlags und die Zeitschrift sans phrase) kostenlos. Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie auf der Homepage des Verlags.

Bestellungen von Pólemos #06 bitte per Mail an: info[at]ca-ira.net

Ab Heft # 06 beträgt der Preis für das Einzelheft 3,50 €.

Die Pólemos Ausgaben 01-05 sind leider mittlerweile vergriffen, können aber auf diesem Blog als PDF heruntergeladen werden. Ab Heft #06 werden nur noch einzelne Artikel online zur Lektüre angeboten.

Kontakt zur Redaktion: redaktion.polemos[at]googlemail.com

Hinweis für Abonnenten: Da seit 2013 keine Ausgabe der Pólemos mehr erschienen ist, haben wir versucht, alle Abonnenten anzuschreiben und nach der Aktualität Ihrer Adresse zu fragen. Sollten Sie Abonnent sein und für Ausgabe #06 bereits gezahlt haben, aber in der kommenden Woche kein Heft von uns erhalten, dann melden Sie sich bitte bei der Redaktion.

Die alten Abonnements laufen mit Erscheinen von Heft #06 aus. Neue Abos sind leider nicht mehr möglich, da sich der Verwaltungsaufwand für uns nicht lohnt. Wir empfehlen Ihnen die Mitgliedschaft im Institut für Sozialkritik Freiburg e.V.

Angst und Ehre

Die Anschläge von Paris und die Folgen

Gefühlte 90% derjenigen, die sich irgendwie zu den Massakern in Paris Anfang Januar äußerten, waren Charlie Hebdo. Dabei gäbe es gute Gründe, sich nicht anzumaßen, Charlie Hebdo zu sein. Nicht etwa um den ermordeten Mitgliedern der französischen Satirezeitschrift ein, wie auch immer verdruckstes, geschmackloses „so was kommt von sowas“ hinterherzurufen. Die Redaktion der Pólemos ist es nicht, weil ihre Mitglieder Angst hätten, so leben zu müssen, wie der ermordete Redakteur Stéphane Charbonnier, der lange unter Polizeischutz stand, der sich angesichts des Überfalls zudem als wirkungslos erwies. Oder wie Michele Houllebecq, Kurt Westergaard und viele andere, die täglich mit der lebensgefährlichen Drohung von Islamisten leben müssen. Mit ihnen hat die Pólemos zwar gemeinsam, dass sie die Ehre Allahs, seines Propheten und seiner Anhänger keineswegs für ein schützenswertes Gut hält, aber uns würde entschieden der Mut fehlen, geschweige denn die Öffentlichkeit, den Preis zu zahlen, den eine unter großer Aufmerksamkeit begangene „Ehrverletzung“ des Islam mit sich bringt. Merkwürdig nur, dass wohl die meisten, die derzeit wie verzweifelt Charlie Hebdo sein wollen, anders als jene Satiriker, die Ehre von Religionen und Kulturen, insbesondere die des Islam, durchaus als besonders verteidigenswert erachten. Damit man sich dennoch betroffen fühlen durfte, musste der Anschlag in einen der ganz allgemein und abstrakt der Pressefreiheit gegolten habe, umgedichtet werden. In einem „Aufruf der Zeitungsverleger“ ließ Helmut Heinen gleich zu Beginn verlautbaren: „Das Attentat auf ‚Charlie Hebdo‘ ist ein Angriff auf unsere Demokratie, unsere Presse- und Meinungsfreiheit. Wir müssen sie stets aufs Neue verteidigen, auch gegen die perfide Propaganda der Pegida-Anführer und den üblen Vorwurf der ‚Lügenpresse‘“ (FAZ online, 9.1.15). Daneben eine Karikatur, die oben links eine „Lügenpresse“ skandierende Pegida-Demonstration zeigt und unten rechts die Attentäter mit der Sprechblase „Die reden nur, wir tun was“. Als hätten die Pegida-Demonstranten – deren Ehre zu verteidigen gewiss auch unsere Sache nicht ist – gerade ein Blutbad angerichtet und nicht Islamisten.

Am Samstag danach demonstrierten in Würzburg die „Romanisten gegen Rassismus“ – für Vielfalt und gegen Ausgrenzung (der Islamisten?); nicht ins Bild passten einige Kritiker, die es sich nicht nehmen ließen Karikaturen des bärtigen Propheten Mohammeds zu zeigen und in einem Flugblatt zudem bekräftigen, dass die Solidarität explizit den in Frankreich bedrohten Juden zu gelten habe. In Windeseile war Schluss mit Vielfalt und Meinungsfreiheit als sie in Mitten des applaudierenden Publikums durch einige Organisatoren und Ordner handgreiflich genötigt wurden, die Plakate zu entfernen. Die gegenwärtigen Demonstrationen spiegeln eine merkwürdige, aber vertraute Melange aus Anti-Pegida, Montagsdemonstranten, Blockupy und Anti-Naziprotesten wieder, die sich, wie in Deutschland nicht anders zu erwarten, zu einer Einheit des Volkes für eine abstrakte „Pressefreiheit“ und gegen welchen „Terror“ auch immer inszenieren.

Systematisch wird darum herum geeiert, wenn nicht gleich ganz verschwiegen, wer bei den Attentaten von Paris warum angegriffen wurde: Die Redaktion von Charlie Hebdo, weil sie es gewagt hat, keine Rücksicht auf das Ehrgefühl dauerbeleidigter Moslems zu nehmen und, zwei Tage später, ein koscherer Supermarkt, einfach weil er dem antisemitischen Attentäter als jüdisch galt. Während der Geiselnahme erklärte er telefonisch einem französischen Fernsehsender, warum er sich genau diesen Supermarkt ausgesucht hatte: „Die Juden. Wegen der Unterdrückung, vor allem des Islamischen Staats, aber überall. Es ist für alle Gegenden, wo Muslime unterdrückt werden. Palästina gehört dazu“ (Israelheute, 10.1.15). Während islamistische Anschläge wie in New York, Madrid und London eher eine vergleichsweise abstrakte Bedrohung darstellen, häufen sich insbesondere in Frankreich bzw. von Frankreich ausgehend in den letzten Jahren die unmittelbaren Angriffe auf Juden und ihre Einrichtungen: 2012 wurden ein Rabbiner und drei Kinder in Toulouse ermordet, 2014 das jüdische Museum in Brüssel angegriffen, in Sarcelles, einem Vorort von Paris kam es während des letzten Gazakrieges tagelang zu massiven antisemitischen Ausschreitungen. Erst Mitte Dezember wurde in Paris ein junges Paar aus antisemitischen Motiven brutal überfallen und auch die alltäglichen Übergriffe, Schmierereien usw. nehmen zu. Jedes Mal waren die Täter Islamisten aus Frankreich. Der offenkundige Antisemitismus des Anschlags vom 9.1. jedoch war, wenigstens den deutschen Zeitungen, kaum der Erwähnung wert. Während die bedrohten Islamkritiker noch wie wir die Wahl haben, ob sie sich der Gefahr aussetzen wollen, können sich französische Juden dieser Gefahr zunehmend nur noch dadurch entziehen, sich nicht mehr als Juden zu erkennen zu geben und jüdische Einrichtungen zu meiden – oder eben, was immer mehr tun, nach Israel oder in die USA auszuwandern.

So ist „je suis Charlie“ auch als trotzige Geste, man lasse sich nicht unterkriegen, gänzlich unangebracht: Dass Islamkritiker schweigen – die wegen ihrer Mohammed-Karikaturen bekanntgewordene dänische Zeitung Jyllands-Posten erklärte aus Sicherheitsgründen keine Charlie Hebdo Karikaturen zu drucken (FAZ 10.1.15) – und Frankreichs Juden in permanenter Angst leben müssen, zeigt wie außerordentlich erfolgreich die Anschläge sind.

Dazu kommt, dass es etwas spät ist, für Bekenntnisse zu Charlie Hebdo: Als die Mitglieder der Redaktion noch nicht Opfer eines Mordkommandos geworden waren, galten ihre Mohammed-Karikaturen der damaligen französischen Regierung wie den meisten deutschen Zeitungen als „Provokationen“; allenthalben hieß es, die Cartoonisten würden Öl ins Feuer gießen. Heute nennt die Süddeutsche Zeitung das Satireblatt „ein Symbol der Freiheit und Toleranz“ (10.1.15). Zudem ließ sie sich den „kritischen“ Gestus nicht nehmen und druckte zwei sich küssende Männer, eine Karikatur aus der Charlie Hebdo, nach: einen irgendwie als geistlich dargestellten Moslem – also keine Karikatur Mohammeds wie die Hamburger Morgenpost sie abdruckte, und beiläufig erwähnt in der Nacht auf den Sonntag zum Opfer eines Brandanschlags wurde – und einen Cartoonisten. Was gestern der Süddeutschen Zeitung als Akt der Solidarität im Kampf für Pressefreiheit galt, weicht morgen schon wieder der kultursensiblen Pflege jener, die sich von den Karikaturen angeblich betroffen fühlen. So zitiert die Süddeutsche Zeitung „kritische Stimmen“ die nicht Charlie sein wollen: „Als Muslimin werde ich keine Zeitung verteidigen, die mich nicht respektiert und meinen Glauben und meine Kultur lächerlich macht“ (11.1.15). Da es im Münchner Verlagshaus stets kritisch zugeht, möchte man ein breites Meinungsbild einfangen, die Tage als man gemütlich Charlie war, werden wieder zu denen als man nie Charlie sein wollte. Die Tageszeitungen verfügen über ein präzises Kurzzeitgedächtnis, man könnte auch sagen: über selektive Wahrnehmung; auf das Einerseits hat stets ein Andererseits zu folgen, so wird bereits verdrängt was in den Tagen in Paris geschah: ein antisemitisches Attentat.

Am Sonntag danach rief unter anderem der Ministerpräsident François Hollande zu einer Solidaritätsdemonstration in Paris auf. Mehrere Regierungschefs verschiedener Länder führten den Demonstrationszug an um ihre Trauer zu bekunden; einzig die Teilnahme Binyamin Netanyahu und der Front National besorgte den französischen Präsidenten; er bat den israelischen Regierungschef, da er für Kontroversen sorgen würde, um ein Fernbleiben. Als Netanyahu erklärte, trotzdem zu kommen, lud die französische Regierung schleunigst Palästinenserpräsident Abbas ein, einen glaubwürdigen Verfechter der Pressefreiheit und des Kampfes gegen Terrorismus.[1] Die Inszenierung der politischen Klasse, ausgenommen sei Netanyahu, hatte selbstredend auch nicht zum Ziel den Antisemitismus zumindest zu thematisieren, sondern, so gesehen, einzig und allein die nachdrückliche Aufwertung der „Palästinenser“ und der politischen Bewegung des Islam.

Bei der ganzen Ehrenrettung des Islams werden die Apostaten dieser Religion systematisch vergessen: Sie sitzen in genau den islamischen Staaten hinter Gittern mit denen man in Deutschland, Österreich und mittlerweile auch in den USA gerne in einen kulturellen Dialog tritt, unter Beifall der deutschen Presse wie der SZ. Politische Gefangene aus Gohardasht (Iran) ließen in einer solidarischen Grußbotschaft mitteilen: „Unfortunately, the Western governments, particularly the Europeans still do not want to accept that appeasement against organized state terrorism that has dominated Iran and the rest of the region, practically becomes a model for ISIS and other terrorist and fundamentalist groups like Al-Qaeda, Hezbollah, the Taliban and Boko Haram, and Shiite IS alongside Sunni IS will destabilize the world”.[2]

Inzwischen hat sich auch der Iran, der 2013 verlautbaren ließ, die Karikaturen in Charlie Hebdo seien „Teil einer zionistischen Islamophobie-Kampagne“ die Anschläge von Paris verurteilt: „jede Art von terroristischen Anschlägen gegen unschuldige Menschen sei unvereinbar mit der islamischen Lehre“ (junge Welt 9.1.). Beinahe unglaublich angesichts der langen Geschichte und andauernden Gegenwart iranischen Terrors von Argentinien, über die Berliner Gaststätte „Mykonos“, bis zu Libanon, Irak und Syrien.[3] Aber die Pointe steckt freilich in dem Wörtchen „unschuldig“ – das war Charlie Hebdo in den Augen der iranischen Ideologen gewiss so wenig, wie die Besucher des jüdischen Supermarktes. Wenn für die Mehrheit der nichtjüdischen Europäer wieder Normalität eingekehrt ist, wird man sich dennoch in Europa der Worte des iranischen Regimes erinnern und dass auch der Iran irgendwie Charlie Hebdo gewesen ist – was sich für die Juden Frankreichs und die Israelis als fatal erweisen könnte.

Redaktion Pólemos, 12.01.2015

Fußnoten

[1] Die gewiss nicht israelfreundliche Organisation „Reporter ohne Grenzen“ führt die Palästinensischen Gebiete in ihrer Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 138 von 180, zwischen Libyen und dem Tschad. 2014 wurden laut ihrer Jahresbilanz in den Palästinensergebieten nach Syrien weltweit die meisten Journalisten getötet. Erst im vergangenen November postete einer von Abbas Beratern, Abu Al-Einein, auf Facebook Fotos von den in einer Jerusalemer Synagoge brutal ermordeten Opfern und bezeichnete sie als Fotos einer „heroischen Aktion“ gegen eine „religiöse zionistische Einrichtung“ (http://palwatch.org/main.aspx?fi=708).

[2]              http://www.ncr-iran.org/en/news/terrorism-fundamentalism/17787-iran-political-prisoners-condemn-paris-terror-attacks

[3]              Vgl. http://de.stopthebomb.net/de/text-audio-und-video/hisbollah-terrorismus/stationen-des-terrors.html

 

Inhalt:

Leo Elser: Endlich wieder Juden kritisieren. Anmerkungen zur sogenannten Beschneidungsdebatte.

Jan-Georg Gerber: Talk about Sex. Ein Beitrag zur selbigen.

Dominique Goubelle: Bohème und Brettl revisited. Vom engagierten Kleinkünstler zum Politiker neuen Typs.

Felix Menz: Die Wiederaneignung der Gewalt durch die Juden. Über Claude Lanzmann und Jean Améry.

Rudi Landmann: Portrait of the artist as a clown. Über Joseph Beuys.

Peter Schrader: Der kategorische Imperativ. Über den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Uli Krug: Der letzte Marxist. Gedanken zum Tod von Robert Kurz.

Rudi Landmann: Kleines Wort zum Sonntag. Über Robert Walser.

Joachim Bruhn: Die „Bibel der Arbeiterklasse“ als Koran der Linksdeutschen. Wie man das marxsche „Kapital“ gemeinverständlich zubereitet.

David Parnass: Die Wiederkehr der totgesagten Subjekte. Postmoderne als Borderline-Philosophie (Teil II).

Die gedruckte Fassung kann ab sofort unter redaktion.polemos[at]gmail.com bestellt werden.

Pólemos #05 zum Download als PDF

Hinweis: Offenbar gibt es Probleme mit der Anzeige der Umlaute, sofern die PDF-Datei direkt im Browser geöffnet wird.  Das Problem tritt nicht auf, wenn die Datei gespeichert wird.

Inhalt:

Wenn nur noch „das Gehirn“ denkt, wird die Vernunft naturalisiert. Rudi Landmann beharrt dagegen darauf, dass Unmündigkeit selbstverschuldet ist. S. 1.

Wo das derbe Ressentiment freudige Urstände feiert, sind Humanistische Nazis, humorlose Narren am Werk. Von Dominique Goubelle ab S. 8.

Leo Elser über den Hochmut des Prinzen und der akademischen Klasse. S. 14.

Ab S. 17 polemisiert die Gruppe Morgenthau gegen Gesinnungs- und Heimatschutz im Ort der Einfalt.

In Dschihad oder Revolution erinnert Danyal an die Aufstände im Iran. S. 19.

Ein Interview mit Juanita Henning über Prostitutionstätigkeit und sexuelle Selbstbestimmung ab S. 22.

Die arabische Konterrevolution. Ein Gastbeitrag ab S. 27 von Jörg Finkenberger.

Zur Alltagspathologie eines Schreibtischtäters. Analysiert und endgültig erledigt von Joachim Bruhn ab S.29.

Kritik des Bandenwesens, statt Bandenkrieg fordert Leo Elser ab S. 31.

Der angekündigte 2.Teil von Die Wiederkehr der totgesagten Subjekte wird in der nächsten Ausgabe erscheinen.

Die Pólemos #4  kann ab sofort bestellt werden.

Pólemos #4 zum Download als PDF

Gegen den internationalen und kriegerischen Angriff auf die Souveränität des Staates Israel durch die Gaza Flottille am 31. Mai 2010 schreibt Paul Desandren in Das Völkerrecht auf Israelkritik ab Seite 1.

Ab Seite 7 dokumentieren wir den Aufruf, wie zwei Redebeiträge zur Kundgebung Antisemitismus ist keine Abenteuer-Kreuzfahrt am 20. Juni 2010 in Frankfurt.

Leo Elser widerspricht in Kinderfreunde auf Hexenjagd von Seite 11 an dem medialen Neuaufguß des Kirchenkampfs gegen „pädophile“ Kleriker und Reformpädagogen in fünf Thesen.

Dem kultivierten Elend der Studenten und ihrer Aktionen kann nur noch mit Polemik begegnet werden. Rudi Landmann über den Generalstreik gegen das Denken ab Seite 20.

Über die Zurichtung der Subjekte im Islam klären ab Seite 25 die Gruppe Morgenthau mit ihrer Kritik des islamischen Anti-Individualismus und Felix Menz ab Seite 28 in Unterwerfung und Gehorsam auf.

Dem Zusammenhang von permanenter Krise und postmodernem Subjekt versucht David Parnass im ersten Teil von Die Wiederkehr der todgesagten Subjekte ab Seite 31 auf die Spur zu kommen.

Pólemos#3 Download als PDF

# 02 – Inhalt:

Die Hysterie um die Schweinegrippe breitet sich in Deutschland zur Pandemie aus. Der politische Nichtraucherschutz hat seine Wurzeln dort, wo es schon immer etwas kerniger zuging: im Nationalsozialismus. Leo Elser impft Wider die Gesundheitsreligion.

Das Kapital fand sein Medium in der Person von Thilo Sarrazin. Akademische Mauerblümchen, wie Dr. Sabine Schiffer nehmen nüchterne Sprüche gern zum Anlass ihre eigene Diskurshoheit über die sogenannten „Islamophoben“ unter die Leute zu bringen. David Parnass schaute Frau Dr. Schiffer in Elaborierter Obskurantismus dabei auf die Finger.

Warum für den Staat der Juden, Israel, nicht gelten darf, was die nationalbolschewistische Ideologie, am Beispiel „junge Welt“ , für islamistische Regimes und Banden einfordert, versucht Danyal in Die Gralshüter der ‚nationalen Souveränität’ zu ergründen.

Die linke Bewegung denunziert das autonome bürgerliche Subjekt zugunsten des Allgemeinen und landet damit zwangsläufig im antizionistischen Wahn. Autonome Bandenbildung denunziert Doris Dei als schnöden Linksautismus.

Und vieles mehr …

Die Pólemos # 02 erschien am 27. November 2009

Pólemos #02 Download als PDF