You are currently browsing the category archive for the ‘Veranstaltungen’ category.

Gerne weisen wir auf folgende Veranstaltung in Nürnberg hin:

 

Alles neu mit Rohani? Die Verhandlungen mit dem iranischen Regime & die Bedrohung Israels

 

Vortrag von Stephan Grigat

Dienstag, 21.Januar 2014 18:30 Uhr

Thalia-Buchhaus CAMPE, Karolinenstraße 53

http://www.dig-nbg-mfr.org/veranstaltungen

Ist es durch den neuen Präsidenten des iranische Regimes zu einem Strategiewechsel gekommen oder steht Hassan Rohani nur für eine neue Taktik der Teheraner Machthaber? – Was bedeutet das für den Westen und Israel? – Wie kann Israel und wie soll der Westen auf die veränderte Situation reagieren? – Und einige Fragen dazu mehr….

Der Eintritt ist frei.

Der neue Nahe Osten

Vom arabischen Frühling in den islamistischen Herbst

mit Stephan Grigat

Wer Anfang 2011 davor warnte, der arabische „Frühling“ könne sehr schnell in einem Siegeszug der islamistischen Moslembrüder enden und für Israel zu einer neuen Bedrohung führen, galt als Schwarzseher, der „den Arabern“ keine Demokratie „gönnen“ würde. Heute ist nicht zuletzt angesichts der Wahlergebnisse in Ägypten Ernüchterung eingetreten. Nachdem die Erfolge der Islamisten nicht mehr geleugnet werden können, geht man dazu über, ihre Ideologie schön zu reden.

Die zentrale Frage lautet weiterhin, ob jener für den Nahen Osten so typische Mechanismus durchbrochen werden kann, bei dem die innergesellschaftlichen und durch den Weltmarkt evozierten Widersprüche, die durch den Sturz von Mubarak in Ägypten oder von Ben Ali in Tunesien nicht verschwunden sind, stets in hemmungslose Aggression gegen den jüdischen Staat transformiert werden. Bisher gibt es wenig Anzeichen dafür, dass das in absehbarer Zeit gelingen kann.

Der Vortrag wird versuchen, eine Einschätzung der bisherigen Entwicklung zu geben, die Bedeutung der Umwälzungen in den diversen arabischen Ländern für den Expansionsdrang des iranischen Regimes und für die prekäre Situation Israels darzustellen und die Politik Deutschlands und der EU gegenüber den zentralen Akteuren im Nahen Osten einzuschätzen.

 Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses STOP THE BOMB. Er ist Mitherausgeber von Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer (Studienverlag 2008) sowie von Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung (Studienverlag 2010) und Herausgeber von Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert (ça ira 2012).

Donnerstag, 06. September 2012, 20 Uhr

Künstlerhaus im KUKUQ (K4/Komm), II. OG, Glasbau

Königsstr. 93, Nürnberg

Eintritt 2,-/3,-

Die Familie Martin Walser und ihre Versuche, Kritik zu kriminalisieren und den Kritiker mundtot zu machen

Vortrag und Diskussion mit Carl Wiemer


In seiner Dokumentarkomödie ‚Der Literaturverweser’ (Edition Tiamat 2010) hat Carl Wiemer Martin Walser und seine Töchter als prototypische Produkte des deutschen Kulturbetriebs gezeichnet, in dem inzestuöse Borniertheit, künstlerische Inferiorität und ein unbelehrbarer Antisemitismus stets für preiswürdig gehalten werden. Daneben begleitete er zwei Jahre lang die öffentlichen Auftritte Martin Walsers und seiner Tochter Alissa mit Aufklärungsmaterialien, die er bei deren Lesungen unters Publikum brachte. Seitdem wird er von der Familie Walser mit einer Flut von Unterlassungserklärungen, einstweiligen Verfügungen, Zivil- und Strafprozessen eingedeckt, die den Zweck verfolgen, Kritik zu kriminalisieren und den sie übenden Kritiker mundtot zu machen.

In seinem Vortrag schildert Carl Wiemer die gegen ihn gerichteten Versuche der Familie Walser, ihre Lebens- und Geschichtslügen juristisch sanktionieren zu lassen. Diese Lebens- und Geschichtslügen korrespondieren auf frappierende Weise mit jenen der deutschen Nation, was insofern nicht wunder nimmt, als von den Walsers zwei der glorreichsten deutschen Traditionen verkörpert werden, nämlich der Antisemitismus durch das NSDAP-Mitglied Martin Walser und das Denunziantentum durch seine Tochter Alissa und deren Ehemann, den STASI-Spitzel Sascha Anderson.

Außerdem geht es um die Analyse des hiesigen Kulturbetriebs als branchentypischer Gestalt eines Rackets, als deren kleinste Gestalt die Familie firmiert, während seine aggressivste Form die Nation darstellt. Nicht zufällig hat Walser die Nation stets als Großfamilie konzipiert. Das deutsche Kulturracket bringt folgerichtig den Typus des Staatsschriftstellers hervor, der sich nicht nur von staatlichen Zuwendungen nährt, sondern auch keinen Moment zögert, die staatlichen Vollzugsorgane Polizei und Justiz einzuschalten, um gegen seinen letzten Feind, den freien Autor, vorzugehen. Der Staat, der nicht umsonst allseits als Vater imaginiert wird, soll seine Polizeikräfte mobilisieren, um jene Rolle einzunehmen, die Papa Martin für seine talentfreien Töchter zeitlebens gespielt hat.

Nichts widerspricht dem Geist der Literatur mehr als die Walsersche Vorstellung, dass die Literatur ein in Erbfolge zu führender Familienbetrieb sei, in dem die Herkunft alles und die Texte nichts zählen.

Dienstag, 05. Juni 2012

19:30 Uhr

Veranstaltungsort: II. OG Glasbau im KUKUQ (ex-K4 /ex-Komm)

Königsstraße 93, Nürnberg (gegenüber Hbf)

Veranstalter: AG Kritische Theorie/ Redaktion Pólemos und Gruppe Monaco (München)

Buchvorstellung und Vortrag von Gerhard Scheit

Noch im Todesjahr Adornos war das Buch Die neue Linke nach Adorno erschienen: Es sollte damit eine Art Aufbruchsstimmung suggeriert werden, wobei die einen mit, die anderen ohne das Erbe des Verstorbenen aufbrechen wollten. Das Buch hingegen, das hier präsentiert wird, hat den Untertitel Kritik der Gesellschaft nach Adorno, könnte aber auch: Adorno nach der neuen Linken heißen. Nachdem nämlich diese Linke durch ihren Antizionismus sich selbst zerstört hat, ist jederzeit auf Adornos Imperativ zu beharren: der Nötigung, unter allen Umständen „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole“, und also Israel gegen den antisemitischen Wahn zu verteidigen. So wie die von Adorno geforderte, differenzierteste Kenntnis dieser Umstände immer den Widerspruch einschließt, dass sie erst gar nicht zu begreifen sind, wird die Möglichkeit, sie doch noch zu ändern, aus dem Denken verbannt.


Freitag, 16. Dezember 2011
19:30 Uhr
Glasbau im KUKUQ (K4 / Komm)
Königsstraße 93, Nürnberg (gegenüber Hbf)



Veranstaltungsreihe der AG Kritischen Theorie & der Zeitschrift Pólemos zum Thema:
Ideologiekritik

Buchvorstellung:

SEX, DJIHAD UND DESPOTIE
ZUR KRITIK DES PHALLOZENTRISMUS

Vortrag und Diskussion mit dem Autor Thomas Maul (Berlin)

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit
die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden
Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuförderst
gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet.
In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen
Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik
im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis)
und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie,
Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen
(Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert,
der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige
barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes
denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im
Verfall begriffenen Tradition und gilt in letzter Instanz immer
dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum.

FREITAG – 16. Juli 2010 – 19.30 UHR

KULTURLADEN NORD (KUNO) – WURZELBAUERSTR. 29 – NÜRNBERG
Eintritt 3,–/ 2,–

ça ira Verlag und AG Kritische Theorie präsentieren

KOMMUNISTISCHER LITERATURSALON NÜRNBERG
27. und 28. November 2009

ACHTUNG RAUMÄNDERUNG!
Die Veranstaltungen am Samstag mussten verlegt werden. Der neue Veranstaltungsort ist der Serbische Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstraße 4, U-Bahnstation Rothenburger Straße (U 2 und U 3), drei Stationen vom HBF entfernt. Bitte auch die geänderten Anfangszeiten beachten.
Für den Freitag ändert sich nichts.

Freitag, 27. November, K4, Königsstraße 93, Kopfbau (2. Stock)

19:00 Uhr
DAS KONZEPT MATERIALISMUS
Buchvorstellung mit Manfred Dahlmann (ISF Freiburg)
Der revolutionäre Materialismus oder auch: kritischer Kommunismus der Gegenwart hat die Erfahrung der Shoah und hat die Geschichte des Nazifaschismus nicht einer wie immer auch kritisch gemeinten Gesellschaftstheorie anzuhängen und aufzukleben, sondern er hat diese Erfahrung vollendeter Negativität in das Innerste seiner Kategorien aufzunehmen und zu reflektieren. Jedweder ’Marxismus’, der sich weigert, auf diesen Zeitkern der Wahrheit zu reflektieren, ist Müll. Kein Materialismus ist noch denkbar, der dies nicht im Herzen der Kritik der politischen Ökonomie zu bedenken hätte. Es geht darum, der katastrophalen Entfaltung des Kapitals zu seinem Begriff, der Barbarei, kritisch inne zu werden.

21:00
REVOLUTIONSTRIBUNAL – Zur Pathologie des jüngeren deutschen Nationalbolschewismus am Beispiel der jungen Welt.
Mit Joachim Bruhn (ISF Freiburg), Jan Gerber (Halle), und Danyal (Cosmoproletarian Solidarity)
Die sogenannte radikale Linke, die zwar nie radikal, sondern stets sozialdemokratisch war, ist tot. Ihr Verfaulungsprozess lässt sich an der nur ein paar Meter vom Revolutionstribunal entfernten „Linken Literaturmesse“ beobachten. Die einzigen dort feilgebotenen Bücher, in denen noch ein Hauch des Lebens und der Kritik steckt, bieten die Antiquariate an, alles Andere dort ist im besten Falle anachronistisch. Den Kitt, der die Verfaulenden bei der Stange hält, bietet die junge Welt, an der gar nichts jung ist und deren Ideologie von den autochtonen Völkern ein Zentralangriff auf die revolutionäre Idee der einen Menschheit ist, der sich, wie stets im Antiimperialismus, gegen den Staat der Juden und den Westen richtet. Das Revolutionstribunal wird die längst überfällige Beerdigung dieser Zeitschrift und ihres gesamten Linken Anhangs.

Samstag, 28. November, Serbischer Kulturladen „SKSK Rubin e. V. Balkan“, Holzschuherstr. 4

17.00 Uhr
FIGHT FOR FREEDOM – Die Legende vom anderen Deutschland
Buchvorstellung mit Jan Gerber und Anja Worm (Halle)

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg “wurde der Welt die Lüge von der deutschen Unschuld aufgetischt. Die Welt wurde eingeladen zu glauben, daß Deutschland angegriffen wurde und daß es das Schwert zu seiner eigenen Verteidigung gezogen hat. Eine zweite Lüge wird derzeit für den universellen Gebrauch vorbereitet, die Lüge, daß das deutsche Volk an diesem Krieg unschuldig ist.” (Curt Geyer/Walter Loeb 1942)

Während die erste Lüge inzwischen weitgehend vergessen ist, hat die zweite bis heute Bestand. Die Legende vom ‘anderen Deutschland‘ war eine der ideologischen Gründungsvoraussetzungen der Bundesrepublik und der DDR, und bis heute gehört sie zum geschichtspolitischen Repertoire der Berliner Republik.

Curt Geyer, Walter Loeb und die Mitglieder der Gruppe “Fight for Freedom” zählen zu den wenigen, die dieser Legende schon in den frühen vierziger
Jahren, im britischen Exil, entgegentraten. Mit Artikeln, Broschüren und Dossiers (die hier erstmalig in deutscher Übersetzung geboten werden)
unterstützten sie Sir Robert Vansittart, Mitglied des Oberhauses und Publizist, neben Henry Morgenthau noch immer einer der in Deutschland
bestgehaßten Männer.

19:00 Uhr
WIDER DIE GESUNDHEITSRELIGION – Über das Krisenphänomen Gesundheit
Vortrag von Leo Elser (Redaktion Pólemos)

Nicht nur metaphorisch lässt sich eine Gesundheitsreligion – wenn auch ohne jede Transzendenz – diagnostizieren: Das Ideal ist unerreichbar, und der Weg führt über Entsagung von Genussmitteln, Selbstkasteiung im Sport und die Beichte beim Hausarzt. An die Stelle der Priesterrobe tritt der Arztkittel, an die des Wissensmonopols mittelalterlicher Kleriker auf den Weg zum Seelenheil das der Mediziner auf den zur Gesundheit.

Die Unterwürfigkeit des Patienten vor dem weißen Kittel, die Totalisierung der Medizin, die steigende Anzahl verschriebener Psychopharmaka, „ganzheitliche Ernährung“, Diäten, „Nichtraucherschutz“ und Fitnesskult sind längst zur Alltagsideologie geworden, von der nicht nur ganze Industriezweige leben, sondern die weitreichende Teile der Lebenszeit der Individuen vereinnahmt. Der den Gesunden eigentümliche „krampfhafte Hang zum Positiven“ (Adorno) ist jedoch das Anschmiegen an den Prozess der Vergesellschaftung selbst, der autoritäre Versuch widerspruchsfreie Identität herzustellen, den Freud verzweifelt als „Todestrieb“ auf den Begriff zu bringen, Heidegger affirmativ als „Sein zum Tode“ zu ontologisieren suchte.

Die Reserven zur Verhinderung des
allgemeinen Chaos

Was kann die US-Politik dem europäischen
Appeasement entgegensetzen?

Vortrag von Gerhard Scheit

Es scheint sich um ein geradezu gesetzmäßiges Schwanken der US-Politik zu handeln: Auf den Republikaner Theodor Roosevelt folgt der Demokrat Woodrow Wilson, nach Bush jr. zieht Obama ins Weiße Haus ein. Jener macht sich, was die Frage der Souveränität betrifft, wenig Illusionen und tut jederzeit kund, daß eine kraftlose, nicht durch Macht abgesicherte Rechtlichkeit („a milk-and-water righteousness“) ebenso verdammenswert oder noch verdammenswerter sei als Macht ohne Recht; und ist sofort bereit, in den Krieg zu ziehen, wenn ein Weltkrieg droht; dieser aber verklärt den nötigen Waffengang, der den Einflußbereich und die Handelsmacht der USA sichert, zum letzten Krieg, der den ewigen Frieden bringe: „war to end all wars“. Der Nachfolger ideologisiert die pragmatischen Entscheidungen des Vorgängers – und läuft Gefahr, die Grundlage dieser Pragmatik: den aufgeklärten Begriff westlicher Souveränität, preiszugeben.

Tatsächlich treten die USA immer in den Krieg ein, um unter Beweis zu stellen, nicht einfach alle Kriege, sondern jeden Weltkrieg zu beenden, das heißt jede
von Katastrophenpolitik entfesselte, alle Grenzen überschreitende, kriegerische Auseinandersetzung. „Die amerikanische Auffassung vom gerechten Krieg“, so Hannah Arendt, „ist wesentlich – nicht ‚a war to end all wars’ oder ‚a war to make the world safe for democracy’ – von der Kriminalisierung des Angriffskriegs als Angriff, als Friedens- und Vertragsbruch bestimmt, wobei nach angelsächsischer Auffassung der Vertragsbruch schwerer wiegt als der Friedensbruch.“ Der Frieden werde nach dieser Auffassung nicht „ideologisiert“, also „von der Realität gelöst“, es bedarf hingegen stets „einer klaren Gefahr und Bedrohung, um die Welt zu pazifizieren“.

Am Ende eines solchen Kriegs steht eine, von der US-Politik inspirierte oder ins Leben gerufene internationale Organisation, die als adäquate Antwort auf
die Katastrophenpolitik gedacht ist – und dazu tendiert, den Frieden zu ideologisieren. Die Siegermächte simulieren einen Weltsouverän, hervorgegangen aus dem Weltkrieg. Statt „balance of power“ müsse es nunmehr „a community of power“ geben, „not organized rivalries, but an organized common peace“, sagte Wilson 1917. Und je mehr die Macht der Sieger schwindet, desto mehr geben die Erfolge und Mißerfolge dieser Organisationen zu erkennen, daß ein solcher Überstaat „to end all wars“ nicht wirklich existiert, sondern nur ein Gleichgewicht des Schreckens, das aber durchaus dauerhafte, organisatorische Form anzunehmen vermag und als regulatives Prinzip auf Zeit fungieren kann. (…)

Samstag – 13. Juni 09 – 19.00 Uhr
DIA – Amerika Haus Nürnberg – Gleisbühlstr. 9
Eintritt 3,-/ 5,- Euro

Der Stoff aus dem die Alpträume sind

Das „Burka-Plakat“ als Ausdruck repressiver Toleranz

Vortrag und Diskussion von und mit Tobias Ertl (AG Kritische Theorie) und Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), Moderation: Norbert Zlöbl (Pólemos)

Heftig und kurz war die Aufregung über eine Plakataktion dieser Stadt zu Beginn des Jahres, mit der Menschen aus aller Welt in Nürnberg willkommen geheißen werden sollten. Das sogenannte „Burka-Plakat“ sorgte für Aufregung bis in die Bundeshauptstadt Berlin. Heftig war die Empörung der autochthonen Bevölkerung Nürnbergs nicht darüber, was dieses Plakat zeigt und damit affirmiert: eine vollverschleierte Frau im Hidschab, welche die Mitte eines ethno-kitsch Ensembles in der Illustration einnahm, sondern über die zwar spärliche aber, doch vehemente Kritik an dieser Karikatur von Menschen, welche das Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument der Verschleierung auch offen als das benannten was es eben ist: menschenverachtend. Kritik an dieser Kampange stieß auf Seiten der Fans des Plakates und der notorischen Aktiv-Bürger auf Verwunderung und völliges Unverständnis. Die Nürnberger wollten sich ihre „guten Absichten“ nicht madig machen lassen. Trotzig bis pampig bestand der „Nürnberger an sich“ auf seine „Weltoffenheit und Toleranz“ – auch gegenüber den Praktiken der Islamfaschisten. Man wollte – infantil und frühvergreist – an der Auffassung festhalten, dass nicht das konkrete Individuum wichtig ist, sondern die vielen Kulturen, die es zu schützen gälte, egal was den Individuen in diesen Kulturen widerfährt. Kurz war die Aufregung wiederum, weil nach mehreren ungefragten und unkonventionellen Volksabstimmungsaktionen für das Burka-Plakat der OB Maly das letzte Machtwort sprach: Das Plakat soll bis zum Sommer hängen bleiben.
Auch wenn das Plakat inzwischen kaum noch in den städtischen Schaukästen hängt, ist dieses Thema für uns noch nicht gegessen. Zu offenbar wurde darin zum Ausdruck gebracht, was von Nürnbergern in Sachen kritisches Bewusstsein und politisches Urteilsvermögen zu erwarten ist. Zu kritisieren wäre eine solche Plakatkampagne nicht als unerhörte Entgleisung, als politischer Skandal, der ebenso politisch zu korrigieren sei, sondern als konsequenter Ausdruck eines deutschen Selbstverständnisses, das – von ganz links bis ganz rechts – statt Menschen nur noch Kulturen und Völker sieht und dem der Islam als Erlöser für die ureigensten Sehnsüchte gilt, als das Idealbild einer Gemeinschaft, die man für sich selbst gerne verwirklicht sähe.

Zu dem Vortrag und zur anschließenden Diskussion sind Sie herzlich eingeladen.

Donnerstag, 07.Mai 2009

19.30 Uhr, DGB-Haus, 7.Stock,

Raum „Burgblick“, Kornmarkt 5-7, Nürnberg
Eintritt frei

Nachtrag: Folgender Kommentar hat uns erreicht, allerdings ist der Moderator dieser Seite aus technischen Gründen verhindert und der Ersatz-Moderator unfähig. Da er uns veröffentlichungswürdig erscheint,  steht er jetzt hier:

Liebe Verantwortlichen von Blog kritischetheorie,

zur Veranstaltung am 7. Mai im DGB-Haus
betreffend das Burka-Plakat der Stadt Nürnberg
hier ein Text mit Hintergrundinformation, der
einen Durchklick zur Unterschriftenaktion
gegen das genannte Burkaplakat
enthält.
http://burkaplakat.wordpress.com/

Drogen und Gesundheit

Healthy Body – Sick Mind

Über Drogenpolitik und Gesundheitswahn

Vortrag von Lars Quadfasel

Während der Gebrauch von berauschenden Genussmitteln in zunehmendem Maße verboten oder eingeschränkt wird, boomt der Markt an Medikamenten, die die beschädigten Subjekte wieder leistungsfähig machen sollen. Die Buchläden sind überfüllt mit Gesundheitsratgebern, die Straßen mit Joggern. Fettfreier Yoghurt und Ampelfarben auf Ernährungsprodukten sorgen dafür, dass die bewusstlosen Subjekte sich auch bewusst ernähren. Mit der Renaissance des gesunden Lebens einhergehender Vitalismus und Körperkult sind nur die Spiegelseite der Körperverachtung und Lustfeindschaft. Die Krankheit der Gesunden spiegelt die Gesundheit der Kranken: Je stärker das Leiden, desto lauter schreit das Subjekt nach Gesundheit, je größer die Zurichtung des Körpers, desto stolzer ist man auf seine billig erkaufte „Fitness“. Der Gesundheitsbegriff jedoch abstrahiert von allem Leiblichen, d.h. vom Leiden, und diesem leeren Abstraktionsideal hat schließlich der konkrete Körper sich anzugleichen. Der „Haßliebe gegen den Körper“ (Adorno) entspringen zwei Klischees, die sich selbst bedingen: auf der einen Seite sanktionierter Genuss ohne Reue, mit wenig Kalorien und „healthy sex“, verbildlicht im „Genießertyp“ der Vorabendserie; auf der anderen Seite das krankhaft süchtige Drogenopfer, vom Fernsehen als zoologisches Objekt zur Schau und Bejammerung gestellt. Über ersteres wusste schon Adorno zu sagen, dass verordnete Lust keine mehr sei. Das zweite Klischee, das vom Junkie, ist der Gesellschaft Fläche für pathische Projektionen der eigenen verbotene Lüste. Was das Subjekt als Wunsch vielleicht verspürt, an sich selbst aber verachten muss, den Drang, das Begehren, die Lust, projiziert es als Verkehrtes auf den Drogensüchtigen, dem gar nichts andres bleibt, als Opfer zu sein. Die Horrorbilder in den Medien tragen dazu bei, den Drogen und ihren Anhängseln, den Menschen, die sie nehmen, die ihnen gebührende Verachtung entgegenzubringen. Nach einem Wort Nietzsches ist unbewusster Neid im scheelen Blick ihrer Verachtung. Sie verspüren den Wunsch nach einem Hauch Freiheit, den sie in der romantisierenden Darstellung der Droge – die wiederum nur Kehrseite der schmähenden – verwirklicht sehen. Wie die Integration des Sexus in den Kulturbetrieb dazu führt, dass je freizügiger die Darstellung in Film und Fernsehen, desto weniger in den wirklichen Schlafzimmern los ist, bleibt der Rausch bei den Depps und Travoltas, und der Abspann holt einen rasch zurück ins „wahre“ Leben, in dem schon der nächste Arbeitstag darauf wartet, einem noch den letzten Funken Lust auszutreiben. Ein kleiner Erkenntnisgewinn würde sich also bereits einstellen, tauschte man in der gegenwärtigen Diskussion einmal das Wörtchen „Droge“ durch das Wörtchen „Arbeit“ aus:

Arbeit ist ungesund, macht dumm, zerstört den Körper und kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.

Freitag, 10.April 2009 – 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KUNO) Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg
Eintritt: 5,– / 3,– €

Die Inszenierung eines Interventionsanlasses

Über die Völkerschlacht im früheren Jugoslawien
und die deutsche Regie auf dem Kriegsschauplatz

Vortrag von Thomas Becker
Als am 24. März 1999 Piloten der Bundeswehr an der Seite eines Nato-Geschwaders über Belgrad erschienen, welches ihre ersten Bombenladungen auf die Stadt warf und damit eine Luftschlacht einleiteten, die 78 Tage andauern sollte, bis sie Serbien schließlich zur Kapitulation zwang, hatte die UCK den Krieg schon gewonnen. Die sogenannte Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner hatte, wie die kroatischen und muslimischen Volkskrieger vor ihr, den Aufstand gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, nur gewagt, weil sie die berechtigte Hoffnung hegte, dass ihr die überlegene Militärmacht des Westens zur Hilfe eilen würde, sobald der Krieg einmal in Gang gekommen war. Die Strategie hatte sich in Bosnien bewährt. Um die gewünschte Nato-Intervention heraufzubeschwören, musste man nur – z.B. durch terroristische Aktionen – die Staatsorgane zu unverhältnismäßigen Gegenmaßnahmen provozieren und so lange durchhalten, bis in den internationalen Medien der Anschein eines außer Kontrolle geratenen Bürgerkriegs entstand. Opfer unter der Zivilbevölkerung und Fluchtbewegungen stellen sich dann normalerweise ganz von selbst ein, so dass Massaker und Gräueltaten nicht in jedem Fall inszeniert oder frei erfunden werden müssen. Die UCK brauchte nur wenige Anläufe, zuerst im Frühjahr, dann im Sommer 1998, um schon nach einem Jahr jene humanitäre Katastrophe herzustellen, welche zum Anlass der Nato-Intervention wurde. In Bosnien, wo man sich noch nicht auf einen Präzedenzfall beziehen konnte, der dort erst geschaffen wurde, brauchte es dafür mehr Zeit und Opfer. Das deutsche Volk, das seine Selbstbestimmung am 9. November 1989 errungen hatte, war zunächst das einzige Vorbild und Deutschland der einzige westliche Verbündete. Der Volksaufstand in Kroatien und Bosnien konnte sich damals lediglich auf das Versprechen des deutschen Außenministers stützen, dass den Völkern Jugoslawiens nicht verwehrt werden könne, was den Deutschen gerade geschenkt ward, und dass mit jedem Schuss der Ausbruch aus dem „sozialistischen Völkergefängnis“ näher rücke.

Thomas Becker lebt als freier Autor in Bielefeld und schreibt u. a. für die Zeitschrift „Bahamas“

Donnerstag, 26.März 2009 – 19.30 Uhr
Kulturladen Nord (KUNO) Wurzelbauerstr. 29, Nürnberg
Eintritt: 5,– / 3,– €